Mittwoch, 11. Juli 2018

Vierte Wanderung 2018: Metz - Joinville

Vierte Wanderung von Metz nach Joinville

Planung

Meine Pilgerwanderung für das Jahr 2018 konnte ich dank langfristiger Planung sehr schön vorbereiten. Die Rahmenbedingungen gab die Möglichkeit der Rückreise mit der Bahn vor. Nach Metz gibt es zwar einige Bahnhöfe, nach Toul liegt erst in Joinville wieder ein Bahnhof auf der Strecke. Bucht man einige Wochen im Voraus, bekommt man sehr preiswert Tickets bei der Französischen Bahn.

Waschhaus von Vaucouleurs
Die Streckenführung entspricht weitestgehend dem Vorschlag des Wanderführers "Outdoor Deutschland Frankreich: Jakobsweg Trier - Vezelay" aus dem Conrad-Stein Verlag. Außerdem war dieser GPS-Track von "Wanderflotsch" gelegentlich recht hilfreich.

Route 2018 Metz - Joinville (mit Varianten)
Da ich in der ersten Woche der Pingstferien im Mai 2018 genügend Wandertage zur Verfügung hatte, konnte ich mit sehr moderaten 20 Kilometern pro Tag planen. Besinnung und Erholung sollte nicht zu kurz kommen. Die Wegstrecke liegt bei etwa 150 km.

Übernachtung in Metz

Bedingt durch den schon beinahe obligatorischen Streik der Eisenbahner in Frankreich kam ich nach einem abenteuerlichen Ritt mit dem Schienenersatzverkehr viel zu spät am Freitagabend bei der Association Carrefour in Metz an. Die Jugendherberge an der Mosel war schon lange restlos ausverkauft, daher hatte ich bei der Jugendherberge der Association Carrefour reserviert. Umso mehr verwunderte mich, dass nur zwei Gäste während der knapp bemessenen Frühstückszeit im Speisesaal waren.

Erste Etappe: Von Metz nach Arnaville

Der Weg entlang der Mosel zieht sich über mehrere Kilometer durch die Wohnviertel und Industriegebiete. Auf dem befestigten Damm kommt man schnell voran, der Weg ist nicht perfekt ausgeschildert, mit Buch und GPS-Track geht es aber problemlos.
Den Weg durch die Städte zu finden, empfinde ich als wesentlich schwieriger als die Orientierung in der Natur. Entlang der Mosel und später parallel am Berghang ist die Strecke leicht und angenehm zu gehen.
Das Ziel, Arnaville ist knapp 20 Kilometer entfernt und entsprechend flott erreicht. Die Bewohner des Hauses direkt gegenüber dem Durchgangsbogen sprechen Deutsch: Folgt man der Hauptstraße nach rechts, anstatt durch den Durchgang zu gehen, kommt man nach etwa 150 Metern zu einem Tabak- und Zeitschriftenladen, der auch Wasser, Brot und leckere Pasteten verkauft.
Direkt links davon ist eine überdachte Bushaltestelle, die als Schutz gegen Sonne und Regen dienen kann.
Zur Übernachtung fand ich eine schön gelegene Streuobstwiese an einem Waldrand etwas abseits der Strecke.
Übernachtung bei Arnaville

2. Etappe: Von Arnaville nach Dieulouard

Die heutige Strecke führt fast durchgehend an der Mosel entlang. Zunächst auf einem Damm durch die Auenwälder im Schatten der Bäume. Es geht sich weich und angenehm. Im weiteren Verlauf wird die Lanschaft dann offener und weniger geschützt. Um meine Vorräte zu ergänzen folgte ich der Mosel bis hinein nach Pont-a-Mousson. Am zentralen Platz nach der Brücke gibt es einen kleinen Supermarkt. Die Strecke aus der Stadt heraus zieht sich dann recht lange entlang der Straße, bis sie nach Jezainville wieder ruhiger wird. In Dieulouard waren alle Geschäfte geschlossen, so zog ich weiter, bis ich im Wald zu einer Hütte der Jägervereinigung kam. Angesichts des etwas zweifelhaften Wetters der ideale Ort den Tag ausklingen zu lassen. Hinter der Hütte gibt es ein Vordach, unter dem es genug Platz zum Übernachten für zwei bis drei Personen gibt.

3. Etappe: Von Dieulouard nach Toul

Bei strahlendem Sonnenschein ging es am nächsten Tag weiter in Richtung Toul. Nach Saizerais nahm ich, um der gut befahrenen Landstraße auszuweichen, den Weg links der Straße zu einem großen Reiterhof und daran rechts vorbei, um durch den Wald nach Liverdun zu gelangen.
Dort wurden gerade die Reste des Mittelalterfests vom Wochenende aufgeräumt. Eine sehr schöne Atmosphäre.
In der Altstadt gibt es leider keinen Lebensmittelladen. Es führen aber Treppen hinunter zum Bahnhof, in dessen Nähe es einen kleinen Supermarkt gibt, wo ich meine Vorräte ergänzen konnte.
Liverdun
Nach Liverdun ist der Weg bis zum Stauwehr neu als Radwanderweg ausgebaut. Vor dem Wehr zweigt der Jakobsweg rechts von der Straße ab, um eine längere Strecke durch einen schönen Wald zu führen. An dessen Ende liegt, an einem Ausläufer der Mosel, das Restaurant "Le Pavillon Bleu". Dort war aber an dem schönen Tag ein so unglaublicher Rummel, daß ich schnell weiter zog.
In Villey-Saint-Etienne traf ich erstmals einen anderen Jakobspilger, dessen Frau uns aus dem Kofferraum mit Getränken versorgte. Gemeinsam wanderten wir weiter bis zum den Festungsanlagen im Wald vor Toul. Dort trennten sich unsere Wege wieder, weil ich mir die Zeit nahm die alten Anlagen anzusehen.
Warnschild vor Toul
Die Sperranlagen, die im Wald noch verteilt sind, haben mit den Jahrzehnten nichts von Ihrer Wirksamkeit verloren. Die Wege zu den Bunkeranlagen sind zwar sicher, gerade in der nordöstlichen Hälfte des Waldes sollte man die Wege nicht verlassen. Im Wald ist es feucht bis sumpfig, Stechmücken plagen den Pilger. Ich habe kurz vor dem Reiterhof am Ende des Waldes übernachtet. Obwohl die Stelle einigermaßen trocken schien, hatte ich in der Nacht mit Stechmücken und schleimigen Schnecken (sogar im Schlafsack) zu kämpfen.

4. Etappe: Von Toul nach Chalaines

Nicht ganz optimal ausgeschlafen machte ich mich auf den Weg die Kathedrale von Toul zu besichtigen, die aber am frühen Morgen noch geschlossen hatte. In Toul herrscht kein Mangel an leckeren Bäckern und kleinen Supermärkten, so füllte ich zuerst meine Vorräte wieder auf, um dann zur Kathedrale zurück zu kehren. Sehr schön ist auch der Kreuzgang im Südwesten der Kathedrale.
Kreuzgang in Toul
Der Weg aus Toul heraus ist gut ausgeschildert und führt hinter Choloy-Ménillot durch einen weitläufigen Wald. Eine große Schutzhütte links des Weges kurz nach Choloy-Ménillot möchte ich nicht unerwähnt lassen. Müden oder nassen Pilgern könnte sie sehr nützlich sein. Auf dem Friedhof, bei der charmanten Dorfkirche von Rigny-Saint-Martin, ist ein Wasserhahn, der Trinkwasser liefert. Ein Zettel in der Kirche bezeugt, dass davon schon viele Pilger profitiert hatten.
Über eine karge Hochebene zieht sich der Weg weiter. In einer Scheune fand ich Schutz vor einem Gewitter mit kurzem, aber kräftigen Regen.
Was ich auch fand, war sehr herzliche Aufnahme bei Pascale Mangin und ihrem Mann in ihrer Pilgerherberge direkt am Weg. Kaum hatte mich ein Nachbar angesprochen, daß Pascale gerade im Stall sei, da kam sie schon im Overall auf dem Fahrrad angeradelt.
Frisch geduscht und guter Dinge machte ich mit auf den Weg nach Vaucouleurs um die empfohlene Pizza zu genießen. Satt und zufrieden holte ich den in der letzten Nacht verpassten Schlaf nach.

5. Etappe: Von Chalaines nach Gondrecourt-le-Château

Mit frisch gewaschenen Kleidern durfte ich mir am Frühstückstisch der Familie sogar noch ein paar Brote für unterwegs schmieren. Sauber und erholt verließ ich den gastlichen Ort um mich wieder auf den Weg nach Vaucouleurs zu machen.

Die Jungfrau zu Pferde
Nach dem Besuch am Reiterstandbild der Jeane d'Arc und dem obligatorischen Selfie an der Porte de France ging es durch den Wald nach vorbei an Montigny-lés-Vaucouleurs. Der dann folgende Abschnitt durch den Wald hatte ein paar navigatorische Tücken. Dank der Gaia GPS App auf dem Smartphone fand ich einen ordentlichen Weg aus dem Wald heraus.
Der Himmel war etwas verhangen, und so kam ich ohne viel zu schwitzen in das schöne Dörfchen Abainville, wo ich im renovierten Waschhaus eine Pause einlegte. Am Nachmittag war dann das Tagesziel erreicht. In Gondrecourt-le-Château gibt es einen gut sortieren Supermarkt, außerdem einen Parkplatz für Wohnmobile. Dort gibt es in der Regel auch Trinkwasser. Für die Nacht machte ich es mir nach Einbruch der Dunkelheit auf der überdachten Terrasse der örtlichen Stadtbücherei bequem. Nur ein paar Enten störten die nächtliche Ruhe.

6. Etappe: Von Condrecourt-le-Château nach Gillaumé

Im Supermarkt kaufte ich am Morgen noch genügend Essen und Wasser für zwei Tage. Vor Joinville wird es jetzt keine Möglichkeit mehr geben Wasser oder Essen zu bekommen.
Ich folgte bestmöglich der im Pilgerführer beschriebenen Strecke, verpasste aber irgendwo eine Abzweigung und war daher viel auf der Straße unterwegs. Das war vielleicht auch gut so, denn ich kam schnell voran und konnte einigen durchziehenden Gewittern ausweichen.
Wichtig: täglich den Schlafsack trocknen
Da für die Nacht Regen angesagt war, wählte ich das Waschhaus von Gillaumé als nächsten Übernachtunsplatz. Im Laufe des Abends trocknete es aber ab, ich nutzte Tisch und Bank für ein ausgiebiges Abendessen, um dann auf der gepflegten Wiese hinter dem Waschhäuschen mein Nachtlager zu bereiten. Keiner der sehr rührigen Bewohner des kleinen Dorfes nahm daran Anstoß.

7. Etappe: Von Gillaumé nach Joinville

Bei bestem Wetter packte ich am frühen Morgen meinen Rucksack, um mich zur vermutlich letzten Tagesetappe für dieses Jahr aufzumachen. Ein kurzes Frühstück auf dem sonnigen Bänkchen auf der Wiese und frisch weiter gepilgert. Die kleine Dorfkirche war, wie einige der Kirchen am Wegesrand, leider verschlossen.
Der Weg verläuft weiter auf der Hochebene, oft in der Sonne. Am See vor Pansey kann man gut an den überdachten Grillstellen rasten. Das Tor ist nicht abgeschlossen, die Angler haben nichts gegen rastende Wanderer.
Es gibt nur wenige Passagen am oder im Wald. Die im Buch beschriebene Abzweigung bei der Farm La Houpette verpasste ich und musste zurück als ich meinen Irrtum erkannt hatte. Schon beim Abstieg nach Thonnance-lés-Joinville wurde die Gegend belebter. Der Weg an der Marne wird von Radlern, Wanderern und Joggern genutzt. Am nordwestlichen Ausläufer von Joinville gibt es einen großen Supermarkt. Gestärkt und wieder mit genügend Wasser versehen machte ich mich auf den Weg zur Kirche. Der Ort ist recht hübsch und die Kirche ist eindrucksvoll, aber leider nicht in bestem Zustand.
In der Kathedrale von Joinville

Nach dem Besuch der Kirche suchte ich nach dem Gemeindehaus, das angeblich unterhalb der Kirche liegen sollte. Ein Ladenbesitzer, der gerade seine Fassade renovierte bemerkte mich und half mir den Pfarrer zu finden. Er bot mir sogar an, ich könne in seinem Laden schlafen, falls wir den Pfarrer nicht finden sollten.
Der Pfarrer, der sich als Stephane vorstellte hat im Gemeindehaus zwei sehr schlichte Betten, eines in der Küche und eines im kleinen Gemeindesaal im Obergeschoss. Der verwilderte Pfarrgarten ist ein herrlicher Platz um ein Stündchen zu lesen und sich zu besinnen.
Pfarrgarten
Nach einer kurzen Dusche im Gästebad des Pfarrhauses, das auch als Abstellkammer dient, legte ich mich nach einem schlichten Abendessen schlafen.

Abreisetag

Gut ausgeschlafen traf ich nach dem Frühstück Stephane. Mein Angebot den Rasen des Pfarrgartens zu mähen lehnte er dankend ab. Es sei schon jemand mit einem Freischneider bestellt um dem Wildwuchs Herr zu werden. Mit einer Spende für die Restaurierung seiner Evangelistenfiguren verließ ich das Pfarrhaus um noch die gewünschten Reisemitbringsel für die Familie zu kaufen.
Trotz des noch andauernden Streiks bei der Bahn fuhr mein Zuge pünktlich am Bahnhof in Joinville ab.

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