Mittwoch, 4. Juli 2018

Ausrüstung für den Jakobsweg

Meine Ausrüstung

Alles was über Wasser und Lebensmittel hinaus geht, trägt man während der ganzen Wanderung mit sich herum. Man wird des unnötigen Krams im Rucksack schnell überdrüssig und so wurde mein Rucksack mit den Jahren immer leichter.
Hat man das nötige Kleingeld parat, kann man sich eine komplette Trekkingausrüstung mit unter 10kg zusammen stellen. Mit meinem Material komme ich auf ca 16kg, was für mich (regelmäßiger Läufer, 192cm groß) noch akzeptabel ist.

Mein Rucksack

Die Prioritäten

Drei Dinge sind in dieser Reihenfolge bei langen Wanderungen wichtig:
  • Wasser
  • Essen
  • Schafen
alles andere lässt sich improvisieren. An 3 Litern Wasser trägt man recht schwer. Essen ist da schon wesentlich einfacher, da es weniger Volumen als Wasser benötigt. Für mich funktionieren Vollkorn-Brote oder Pumpernickel super. Das Hungergefühl reguliert sich auf den langen Wanderungen sehr gut. Vorräte für 3-4 Tage sind nicht sehr voluminös.
Schlafen ist vor allem eine Preisfrage. Wer sich 50-100€ pro Nacht leisten möchte, der hat kaum Probleme jede Nacht unter einem festen Dach zu verbringen. Die einfachen Herbergen mit 20-30€ waren bis Joinville eher dünn gesät. Daher schlafe ich bevorzugt unter freiem Himmel, möglichst im Wald. Dazu finden sich auch Tipps im Blog verteilt.

Wasser

Ich transportiere mein Wasser in drei 1-Liter PET-Flaschen, von denen ich zwei in die Seitentaschen und eine im Rucksack mitführe. Diese Flaschen stecken bei mir sehr fest in den Seitentaschen. Daher habe ich ein 0.33 oder 0.5 Liter Fläschchen zusätzlich an einem billigen, kleinen Halter. Das Fläschchen muss allerdings gegen störendes Herumbaumeln gesichert werden.
In Deutschland ist es relativ leicht an gutes Trinkwasser zu kommen. In den dünn besiedelten Gegenden Frankreichs wird das aber sehr schnell zu einem großen Thema. Zumal das Oberflächenwasser dort auch nicht wirklich vertrauenerweckend wirkt. Bei Touren im Schwarzwald oder im Gebirge ist das einfacher.
Wenn es sehr kalt ist und die Temperatur des mitgeführten Trinkwassers sich dem Gefrierpunkt annähert, neige ich dazu zu wenig zu trinken. Die Folgen können sehr unangenehm sein.
Tipp: Trinkwasser findet man oft an den Übernachtungsplätzen für Wohnmobile.

Essen

Ich brauche erstaunlich wenig Essen auf meinen Wanderungen. Kocher und Geschirr habe ich mittlerweile zur Gewichtsersparnis weg gelassen. An Brot und Käse kommt man in Frankreich leicht. Aus Deutschland nehme ich einen kleinen Vorrat gehaltvoller Vollkornwecken mit, die für einige Tage reichen.

Rucksack

Mein Lowe Alpamayo 70+20 ist schon locker 20 Jahre alt und entspricht vermutlich nicht der neuesten Trekkingmode. Dafür ist er super stabil und es passt locker alles rein was ich brauche.
Da der Rucksack schon lange nicht mehr wasserdicht ist, gehört der Regenschutz mit zur Ausrüstung.
Auch im Rucksack ist vieles wasserdicht verpackt. Dazu reichen schon einfache Plastiktüten.
Den +20 Auszug brauche ich selten. Momentan werden Rucksäcke mit 65 (+20) Litern angeboten, das sollte ideal sein.

Stöcke

Es mag sein, daß Stöcke den Laufstil versauen, wie ich es vor Jahren von einem Bergführer gehört habe. Wenn ich mal 30km abgespult habe und die Füße schmerzen, interessiert mich so etwas wie Stil nicht.
Ich laufe mit sehr alten Leki Makalus. Carbon habe ich mir angesehen, habe aber Bedenken, weil sie angeblich bei Scherbelastungen brechen können. (Update: Für meine Körpergröße passend habe ich mir im Spätsommer 2019 die Leki Micro Vario Carbon Strong gekauft. - Ich werde berichten.)
Ich empfinde die Stöcke sowohl bergauf, als auch bergab als Erleichterung. Meine Knie werden spürbar geschont.

Schlafen

Bei sommerlichen Temperaturen ist das Schlafen unter freiem Himmel angenehm, wenn ein paar Voraussetzungen stimmen:
  • Der Schlafplatz muss eben sein. Der Schlafsack rutscht schon bei moderatem Gefälle auf der Isomatte abwärts und man ist die ganze Nacht damit beschäftigt wieder bergauf zu robben.
  • Einigermaßen frei von Stocken und Steinen, die das Liegen unangenehm machen.
  • Frei von Schnecken und Stechmücken (Lässt sich nicht immer sicherstellen. Schnecken im Schlafsack sind eine ziemliche Sauerei.)
  • Entfernt von stark frequentierten Grillstellen oder den örtlichen Gassistrecken der Hundebesitzer


Im Herbst ist die Tarnung nicht perfekt
Im einfachsten Fall benutze ich eine 2,20x3 Meter "Kommandoplane" mit "Woodlands" Print. Die Plane lege ich auf dem Boden aus, lege meine 20 Jahre alte, aber  noch gut erhaltene Thermarest Ultralight (oder Thermarest Ultralite ?) drauf und darauf den Schlafsack (Daunen. Von Highlight Ende der 90er gekauft). In direktem Kontakt mit dem Schafsack ist die Plane allerdings nicht wasserdicht. Bei Regen spanne ich eine zeltartige Konstruktion auf. Außerdem drückt das Gewicht der Plane die Daunen zusammen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt spürt man das deutlich.
Tipp: Auf Höhe des Gesäßes lege ich ein Stück einer alten Isomatte (Schaumstoff) unter. Das kompensiert die schlechtere Isolation, wenn die Hüftknochen durch die Thermarest auf den kalten Boden durchdrücken. Auch sonst leistet das Stück gute Dienste als Sitzunterlage.

Kommunikation, Karten und die Energiefrage

Das Smartphone ersetzt mittlerweile inzwischen ein kleinen Rucksack voller Ausrüstungsgegenstände und macht das in den meisten Fällen ganz ordentlich.
Seit dem 15. Juni 2017 gibt es üblicherweise innerhalb der EU keine Roaminggebühren mehr. Damit steht auch das Datenvolumen für Internetverbindungen zumindest teilweise zur Verfügung.
Das erleichtert die Navigation erheblich, weil Kartenausschnitte, z.B. in Google Maps auch in der maximalen Detailstufe nachgeladen werden können.

  • Ich benutze gerne Gaia GPS (ohne das kostenpflichtige Abo) zur Navigation. Die kostenlosen Karten sind gut genug. Schön ist, dass man GPS-Tracks aus dem Internet importieren kann. Bei unklarer oder fehlender Beschilderung spart das einige Irrwege.
    Obwohl ich viele Kartenausschnitte vorab herunter geladen hatte, habe ich den Großteil meines 3GByte Datenvolumens für die App verbraucht.
    Ein echtes "Verirren" im traditionellen Sinne ist heute so gut wie unmöglich.
  • Mal eben nach den Öffnungszeiten des nächstgelegenen Supermarkts googeln oder das Mail mit der Buchungsbestätigung für die Jugendherberge vorlegen.
  • Bahnfahrkarten kaufen: Wenn man rechtzeitig bucht, bekommt man bei der französischen Bahn SNCF und der DB erstaunlich preiswerte Tickets.
    Ich benutze diese beiden Apps:
    OUI.sncf für Frankreich. Die App kennt auch die grenznahen Bahnhöfe in Deutschland.
    DB Navigator für Deutschland. 
  • Da mein Arbeitgeber mir regelmäßig ein aktuelles Handy, auch zur privaten Nutzung zur Verfügung stellt, ist auch die Kamera auf der Höhe der Zeit. Ich fotografiere nicht sehr viel, eine separate Kamera würde sich bei mir nicht lohnen.
Das alles braucht allerdings eine Menge Energie. Wenn man mehrere Tage keinen Zugang zu einer Steckdose hat, reicht die kleine PowerBank aus der Krabbelkiste beim Elektrodiscounter nicht aus. Die aufgedruckten technischen Daten scheinen oftmals frei erfunden zu sein. Nach mehreren Enttäuschungen bin ich nun mit dem chinesischen Edelhersteller XiaoMi vollkommen zufrieden. Ich hatte für einige Wanderungen eine ältere 16000mAh Power Bank (Aluminiumgehäuse), die ich Anfang 2018 gegen das unwesentlich schwerere Modell mit 20000mAh (stabiles Kunststoffgehäuse) getauscht habe. Das verschafft mir eine volle Woche Autonomie trotz intensiver Nutzung. Die PowerBank habe ich hier gekauft. Wegen der großen Kapazität reicht eine einzelne Übernachtung mit meinem normalen iPhone Lader (5 Watt) nicht um die PowerBank wieder voll zu laden. Da die PowerBank QC3 zur Schnellladung unterstützt, habe ich mir diesen 18Watt Lader dazu gekauft, der natürlich auch das iPhone lädt.
Energie Nachtanken in der Pilgerherberge in Chalaines
Wer ohnehin täglich in einer Herberge übernachtet, ist mit dieser leichten, schlanken 5000mAh Version auf der sicheren Seite und trägt nicht schwer.



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