Freitag, 13. Juli 2018

Dritte Wanderung 2017: Hornbach - Metz

Jakobsweg von Hornbach nach Metz (Südroute)

Erst sehr spät im Jahr 2017, Mitte November konnte ich mich wieder auf den Weg machen und den Jakobsweg in Hornbach am Kloster wieder aufnehmen. Das Ziel war die Kathedrale in Metz.
Wegweiser bei Hornbach
Hier trennt sich die Nord- und die Südroute

Der Streckenverlauf ist sehr gut dokumentiert und, zumindest in Deutschland, relativ gut beschildert.
Jakobsweg Pfalz-Saarland Südroute bis Metz


Tag 1: Vom Kloster Hornbach nach Gräfinthal

Nachdem ich aufgrund verschiedener Zugverspätungen erst gegen Mittag in Hornbach angekommen war, war schon vorhersehbar, dass sich die Wanderung bis nach Einbruch der Dunkelheit ziehen würde.

Gräfinthal (Kirche war geschlossen)
Der Grillplatz mit Hütte im Wald vor Gräfinthal (Bolcher Hütte) war in der früh hereinbrechenden Dunkelheit leicht zu finden. Von einigen ziemlich schnell im Wald umherfahrenden Jägern abgesehen verbrachte ich eine angenehme Nacht im Schlafsack auf einer der Bänke in der großen, aber nicht sehr sauberen Hütte.

Tag 2: Von Gräfinthal nach Folking

Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt zeigte sich gelegentlich die Sonne. Auf sehr gepflegten Wegen sollte ich bis Mittag die Grenze zu Frankreich erreichen. Zuvor gab es beim "Alten Bauernhaus Auersmacher" noch einen Pilgerstempel und warmes Wasser. Das Wasser aus dem Rucksack hatte mitlerweile die Umgebungstemperatur von 3-4 Grad angenommen. Das machte es schwer genug zu trinken.
In Frankreich folgt der Jakobsweg dem GR5G
Kaum in Frankreich, kämpfte ich schon mit diversen Schwierigkeiten den richtigen Weg einzuschlagen. Gesperrte Wege und fehlende Markierungen sorgten für ein paar Umwege. Ich war froh aus Saaregmünd heraus zu kommen. In der Natur waren die Markierungen leichter zu finden und ich kam gut voran. Leider war die Sicht so schlecht, dass ich kaum die Moulin de Grauberg in Tenteling erkennen konnte. An den Wäldern kündeten noch Sperrschilder von den Treibjagden am vergangenen Wochenende. So spät im Jahr darf wieder gejagt werden.
Als es zum Wandern zu dunkel wurde, bereitete ich bei leichtem Regen und feuchtkaltem Nebel hinter einem Holzstapel im Wald nach Folking mein Nachtlager.

Tag 3: Von Folking nach Saint-Avold


Die Nacht war unangenehm feucht und so packte ich bei Anbruch der Dämmerung meine Sache um mich warm zu laufen. Außerhalb des Waldes waren die geteerten Wege eisig und glatt. Die Feldwege waren dafür weniger matschig. Der kalte Nebel verschluckte leider vollständig die archäologischen Sehenswürdigkeiten auf dem Herapel vor Cocheren.
Für das Frühstück fand ich ein ruhiges Bänkchen in Bening-les-Saint-Avold, wo es einigermaßen trocken war.
Bröckelt das Nutella am Morgen,
ist es für Camping zu kalt.
Die Strecke nach Saint-Avold war relativ kurz und führte in der zweiten Hälfte durch einen sehr schönen Wald. Schon am frühen Nachmittag kam ich in St. Avold an und bezog ein Zimmer in der zum Camping Municipal gehörenden Herberge. Ich war der einzige Gast.
Nachdem ich meine Ausrüstung im Zimmer zum Trocknen ausgebreitet hatte, kam noch die Sonne hinter den Wolken hervor und ich machte einen Ausflug zum Amerikanischen Soldatenfriedhof unweit der Stadt.
Soldatenfriedhof bei St. Avold
Ich empfehle jedem Pilger dringend den Besuch dort. Das zelebrierte Heldenpathos kann aber schon irritieren.

Tag 4: Von St. Avold nach Courcelles-Chaussy

Gut erholt und bestens ausgeschlafen machte ich mich am Morgen ohne Frühstück (da einziger Gast in der Herberge) auf den Weg. Die Gegend ist landwirtschaftlich sehr intensiv genutzt. Viele Felder und wenige Wälder machten die Strecke wenig abwechslungsreich, und eher hart zu gehen.
Als der Abend dämmerte, fand ich unweit des Friedhofs vor Courcelles etwas abseits der offiziellen Strecke ein ruhiges Gebüsch hinter dem ich meine Plane aufbaute. Die Nacht sollte regnerisch werden.

Tag 5: Von Courcelles-Chaussy nach Metz

Da bei dem Wetter an einen erholsamen Schlaf nicht zu denken war, packte ich, noch bei völliger Dunkelheit, gegen vier Uhr meinen Rucksack, um durch das schlafende Courcelles-Chaussy den Jakobsweg fortzusetzen. Im Laufe des Tages besserte sich das Wetter und dank des frühen Starts erreichte ich bald die östlichen Ausläufer von Metz. Fort-Anlagen aus den Weltkriegen, imposante Gebäude und weitläufige Parks machten die letzte Etappe der Wanderung sehr abwechslungsreich.
So erreichte ich schon kurz nach Mittag die Kathedrale in Metz, in der ich viel Zeit verbrachte.
Den Pilgerstempel erhält man am Souvenirstand.
In der Kathedrale von Metz
Glücklicherweise hatte die Jugendherberge an der Mosel noch genügend Plätze frei. So konnte ich am Nachmittag mein Gepäck abstellen und in der Stadt noch gemütlich zu Abend essen.
Im geheizten Zimmer trocknete meine nasse Ausrüstung schnell und eigentlich hätte ich gute Lust auf ein paar weitere Wandertage gehabt.

Tag 6: Rückfahrt von Metz nach Heilbronn

Nach dem schlichten, aber ausreichenden Frühstück in der Jugendherberge hatte ich noch genügend Zeit auf dem Weg durch die Stadt leckeren Käse als Mitbringsel für die Familie zu kaufen.
Bahnhof Metz

Mittwoch, 11. Juli 2018

Vierte Wanderung 2018: Metz - Joinville

Vierte Wanderung von Metz nach Joinville

Planung

Meine Pilgerwanderung für das Jahr 2018 konnte ich dank langfristiger Planung sehr schön vorbereiten. Die Rahmenbedingungen gab die Möglichkeit der Rückreise mit der Bahn vor. Nach Metz gibt es zwar einige Bahnhöfe, nach Toul liegt erst in Joinville wieder ein Bahnhof auf der Strecke. Bucht man einige Wochen im Voraus, bekommt man sehr preiswert Tickets bei der Französischen Bahn.

Waschhaus von Vaucouleurs
Die Streckenführung entspricht weitestgehend dem Vorschlag des Wanderführers "Outdoor Deutschland Frankreich: Jakobsweg Trier - Vezelay" aus dem Conrad-Stein Verlag. Außerdem war dieser GPS-Track von "Wanderflotsch" gelegentlich recht hilfreich.

Route 2018 Metz - Joinville (mit Varianten)
Da ich in der ersten Woche der Pingstferien im Mai 2018 genügend Wandertage zur Verfügung hatte, konnte ich mit sehr moderaten 20 Kilometern pro Tag planen. Besinnung und Erholung sollte nicht zu kurz kommen. Die Wegstrecke liegt bei etwa 150 km.

Übernachtung in Metz

Bedingt durch den schon beinahe obligatorischen Streik der Eisenbahner in Frankreich kam ich nach einem abenteuerlichen Ritt mit dem Schienenersatzverkehr viel zu spät am Freitagabend bei der Association Carrefour in Metz an. Die Jugendherberge an der Mosel war schon lange restlos ausverkauft, daher hatte ich bei der Jugendherberge der Association Carrefour reserviert. Umso mehr verwunderte mich, dass nur zwei Gäste während der knapp bemessenen Frühstückszeit im Speisesaal waren.

Erste Etappe: Von Metz nach Arnaville

Der Weg entlang der Mosel zieht sich über mehrere Kilometer durch die Wohnviertel und Industriegebiete. Auf dem befestigten Damm kommt man schnell voran, der Weg ist nicht perfekt ausgeschildert, mit Buch und GPS-Track geht es aber problemlos.
Den Weg durch die Städte zu finden, empfinde ich als wesentlich schwieriger als die Orientierung in der Natur. Entlang der Mosel und später parallel am Berghang ist die Strecke leicht und angenehm zu gehen.
Das Ziel, Arnaville ist knapp 20 Kilometer entfernt und entsprechend flott erreicht. Die Bewohner des Hauses direkt gegenüber dem Durchgangsbogen sprechen Deutsch: Folgt man der Hauptstraße nach rechts, anstatt durch den Durchgang zu gehen, kommt man nach etwa 150 Metern zu einem Tabak- und Zeitschriftenladen, der auch Wasser, Brot und leckere Pasteten verkauft.
Direkt links davon ist eine überdachte Bushaltestelle, die als Schutz gegen Sonne und Regen dienen kann.
Zur Übernachtung fand ich eine schön gelegene Streuobstwiese an einem Waldrand etwas abseits der Strecke.
Übernachtung bei Arnaville

2. Etappe: Von Arnaville nach Dieulouard

Die heutige Strecke führt fast durchgehend an der Mosel entlang. Zunächst auf einem Damm durch die Auenwälder im Schatten der Bäume. Es geht sich weich und angenehm. Im weiteren Verlauf wird die Lanschaft dann offener und weniger geschützt. Um meine Vorräte zu ergänzen folgte ich der Mosel bis hinein nach Pont-a-Mousson. Am zentralen Platz nach der Brücke gibt es einen kleinen Supermarkt. Die Strecke aus der Stadt heraus zieht sich dann recht lange entlang der Straße, bis sie nach Jezainville wieder ruhiger wird. In Dieulouard waren alle Geschäfte geschlossen, so zog ich weiter, bis ich im Wald zu einer Hütte der Jägervereinigung kam. Angesichts des etwas zweifelhaften Wetters der ideale Ort den Tag ausklingen zu lassen. Hinter der Hütte gibt es ein Vordach, unter dem es genug Platz zum Übernachten für zwei bis drei Personen gibt.

3. Etappe: Von Dieulouard nach Toul

Bei strahlendem Sonnenschein ging es am nächsten Tag weiter in Richtung Toul. Nach Saizerais nahm ich, um der gut befahrenen Landstraße auszuweichen, den Weg links der Straße zu einem großen Reiterhof und daran rechts vorbei, um durch den Wald nach Liverdun zu gelangen.
Dort wurden gerade die Reste des Mittelalterfests vom Wochenende aufgeräumt. Eine sehr schöne Atmosphäre.
In der Altstadt gibt es leider keinen Lebensmittelladen. Es führen aber Treppen hinunter zum Bahnhof, in dessen Nähe es einen kleinen Supermarkt gibt, wo ich meine Vorräte ergänzen konnte.
Liverdun
Nach Liverdun ist der Weg bis zum Stauwehr neu als Radwanderweg ausgebaut. Vor dem Wehr zweigt der Jakobsweg rechts von der Straße ab, um eine längere Strecke durch einen schönen Wald zu führen. An dessen Ende liegt, an einem Ausläufer der Mosel, das Restaurant "Le Pavillon Bleu". Dort war aber an dem schönen Tag ein so unglaublicher Rummel, daß ich schnell weiter zog.
In Villey-Saint-Etienne traf ich erstmals einen anderen Jakobspilger, dessen Frau uns aus dem Kofferraum mit Getränken versorgte. Gemeinsam wanderten wir weiter bis zum den Festungsanlagen im Wald vor Toul. Dort trennten sich unsere Wege wieder, weil ich mir die Zeit nahm die alten Anlagen anzusehen.
Warnschild vor Toul
Die Sperranlagen, die im Wald noch verteilt sind, haben mit den Jahrzehnten nichts von Ihrer Wirksamkeit verloren. Die Wege zu den Bunkeranlagen sind zwar sicher, gerade in der nordöstlichen Hälfte des Waldes sollte man die Wege nicht verlassen. Im Wald ist es feucht bis sumpfig, Stechmücken plagen den Pilger. Ich habe kurz vor dem Reiterhof am Ende des Waldes übernachtet. Obwohl die Stelle einigermaßen trocken schien, hatte ich in der Nacht mit Stechmücken und schleimigen Schnecken (sogar im Schlafsack) zu kämpfen.

4. Etappe: Von Toul nach Chalaines

Nicht ganz optimal ausgeschlafen machte ich mich auf den Weg die Kathedrale von Toul zu besichtigen, die aber am frühen Morgen noch geschlossen hatte. In Toul herrscht kein Mangel an leckeren Bäckern und kleinen Supermärkten, so füllte ich zuerst meine Vorräte wieder auf, um dann zur Kathedrale zurück zu kehren. Sehr schön ist auch der Kreuzgang im Südwesten der Kathedrale.
Kreuzgang in Toul
Der Weg aus Toul heraus ist gut ausgeschildert und führt hinter Choloy-Ménillot durch einen weitläufigen Wald. Eine große Schutzhütte links des Weges kurz nach Choloy-Ménillot möchte ich nicht unerwähnt lassen. Müden oder nassen Pilgern könnte sie sehr nützlich sein. Auf dem Friedhof, bei der charmanten Dorfkirche von Rigny-Saint-Martin, ist ein Wasserhahn, der Trinkwasser liefert. Ein Zettel in der Kirche bezeugt, dass davon schon viele Pilger profitiert hatten.
Über eine karge Hochebene zieht sich der Weg weiter. In einer Scheune fand ich Schutz vor einem Gewitter mit kurzem, aber kräftigen Regen.
Was ich auch fand, war sehr herzliche Aufnahme bei Pascale Mangin und ihrem Mann in ihrer Pilgerherberge direkt am Weg. Kaum hatte mich ein Nachbar angesprochen, daß Pascale gerade im Stall sei, da kam sie schon im Overall auf dem Fahrrad angeradelt.
Frisch geduscht und guter Dinge machte ich mit auf den Weg nach Vaucouleurs um die empfohlene Pizza zu genießen. Satt und zufrieden holte ich den in der letzten Nacht verpassten Schlaf nach.

5. Etappe: Von Chalaines nach Gondrecourt-le-Château

Mit frisch gewaschenen Kleidern durfte ich mir am Frühstückstisch der Familie sogar noch ein paar Brote für unterwegs schmieren. Sauber und erholt verließ ich den gastlichen Ort um mich wieder auf den Weg nach Vaucouleurs zu machen.

Die Jungfrau zu Pferde
Nach dem Besuch am Reiterstandbild der Jeane d'Arc und dem obligatorischen Selfie an der Porte de France ging es durch den Wald nach vorbei an Montigny-lés-Vaucouleurs. Der dann folgende Abschnitt durch den Wald hatte ein paar navigatorische Tücken. Dank der Gaia GPS App auf dem Smartphone fand ich einen ordentlichen Weg aus dem Wald heraus.
Der Himmel war etwas verhangen, und so kam ich ohne viel zu schwitzen in das schöne Dörfchen Abainville, wo ich im renovierten Waschhaus eine Pause einlegte. Am Nachmittag war dann das Tagesziel erreicht. In Gondrecourt-le-Château gibt es einen gut sortieren Supermarkt, außerdem einen Parkplatz für Wohnmobile. Dort gibt es in der Regel auch Trinkwasser. Für die Nacht machte ich es mir nach Einbruch der Dunkelheit auf der überdachten Terrasse der örtlichen Stadtbücherei bequem. Nur ein paar Enten störten die nächtliche Ruhe.

6. Etappe: Von Condrecourt-le-Château nach Gillaumé

Im Supermarkt kaufte ich am Morgen noch genügend Essen und Wasser für zwei Tage. Vor Joinville wird es jetzt keine Möglichkeit mehr geben Wasser oder Essen zu bekommen.
Ich folgte bestmöglich der im Pilgerführer beschriebenen Strecke, verpasste aber irgendwo eine Abzweigung und war daher viel auf der Straße unterwegs. Das war vielleicht auch gut so, denn ich kam schnell voran und konnte einigen durchziehenden Gewittern ausweichen.
Wichtig: täglich den Schlafsack trocknen
Da für die Nacht Regen angesagt war, wählte ich das Waschhaus von Gillaumé als nächsten Übernachtunsplatz. Im Laufe des Abends trocknete es aber ab, ich nutzte Tisch und Bank für ein ausgiebiges Abendessen, um dann auf der gepflegten Wiese hinter dem Waschhäuschen mein Nachtlager zu bereiten. Keiner der sehr rührigen Bewohner des kleinen Dorfes nahm daran Anstoß.

7. Etappe: Von Gillaumé nach Joinville

Bei bestem Wetter packte ich am frühen Morgen meinen Rucksack, um mich zur vermutlich letzten Tagesetappe für dieses Jahr aufzumachen. Ein kurzes Frühstück auf dem sonnigen Bänkchen auf der Wiese und frisch weiter gepilgert. Die kleine Dorfkirche war, wie einige der Kirchen am Wegesrand, leider verschlossen.
Der Weg verläuft weiter auf der Hochebene, oft in der Sonne. Am See vor Pansey kann man gut an den überdachten Grillstellen rasten. Das Tor ist nicht abgeschlossen, die Angler haben nichts gegen rastende Wanderer.
Es gibt nur wenige Passagen am oder im Wald. Die im Buch beschriebene Abzweigung bei der Farm La Houpette verpasste ich und musste zurück als ich meinen Irrtum erkannt hatte. Schon beim Abstieg nach Thonnance-lés-Joinville wurde die Gegend belebter. Der Weg an der Marne wird von Radlern, Wanderern und Joggern genutzt. Am nordwestlichen Ausläufer von Joinville gibt es einen großen Supermarkt. Gestärkt und wieder mit genügend Wasser versehen machte ich mich auf den Weg zur Kirche. Der Ort ist recht hübsch und die Kirche ist eindrucksvoll, aber leider nicht in bestem Zustand.
In der Kathedrale von Joinville

Nach dem Besuch der Kirche suchte ich nach dem Gemeindehaus, das angeblich unterhalb der Kirche liegen sollte. Ein Ladenbesitzer, der gerade seine Fassade renovierte bemerkte mich und half mir den Pfarrer zu finden. Er bot mir sogar an, ich könne in seinem Laden schlafen, falls wir den Pfarrer nicht finden sollten.
Der Pfarrer, der sich als Stephane vorstellte hat im Gemeindehaus zwei sehr schlichte Betten, eines in der Küche und eines im kleinen Gemeindesaal im Obergeschoss. Der verwilderte Pfarrgarten ist ein herrlicher Platz um ein Stündchen zu lesen und sich zu besinnen.
Pfarrgarten
Nach einer kurzen Dusche im Gästebad des Pfarrhauses, das auch als Abstellkammer dient, legte ich mich nach einem schlichten Abendessen schlafen.

Abreisetag

Gut ausgeschlafen traf ich nach dem Frühstück Stephane. Mein Angebot den Rasen des Pfarrgartens zu mähen lehnte er dankend ab. Es sei schon jemand mit einem Freischneider bestellt um dem Wildwuchs Herr zu werden. Mit einer Spende für die Restaurierung seiner Evangelistenfiguren verließ ich das Pfarrhaus um noch die gewünschten Reisemitbringsel für die Familie zu kaufen.
Trotz des noch andauernden Streiks bei der Bahn fuhr mein Zuge pünktlich am Bahnhof in Joinville ab.

Mittwoch, 4. Juli 2018

Ausrüstung für den Jakobsweg

Meine Ausrüstung

Alles was über Wasser und Lebensmittel hinaus geht, trägt man während der ganzen Wanderung mit sich herum. Man wird des unnötigen Krams im Rucksack schnell überdrüssig und so wurde mein Rucksack mit den Jahren immer leichter.
Hat man das nötige Kleingeld parat, kann man sich eine komplette Trekkingausrüstung mit unter 10kg zusammen stellen. Mit meinem Material komme ich auf ca 16kg, was für mich (regelmäßiger Läufer, 192cm groß) noch akzeptabel ist.

Mein Rucksack

Die Prioritäten

Drei Dinge sind in dieser Reihenfolge bei langen Wanderungen wichtig:
  • Wasser
  • Essen
  • Schafen
alles andere lässt sich improvisieren. An 3 Litern Wasser trägt man recht schwer. Essen ist da schon wesentlich einfacher, da es weniger Volumen als Wasser benötigt. Für mich funktionieren Vollkorn-Brote oder Pumpernickel super. Das Hungergefühl reguliert sich auf den langen Wanderungen sehr gut. Vorräte für 3-4 Tage sind nicht sehr voluminös.
Schlafen ist vor allem eine Preisfrage. Wer sich 50-100€ pro Nacht leisten möchte, der hat kaum Probleme jede Nacht unter einem festen Dach zu verbringen. Die einfachen Herbergen mit 20-30€ waren bis Joinville eher dünn gesät. Daher schlafe ich bevorzugt unter freiem Himmel, möglichst im Wald. Dazu finden sich auch Tipps im Blog verteilt.

Wasser

Ich transportiere mein Wasser in drei 1-Liter PET-Flaschen, von denen ich zwei in die Seitentaschen und eine im Rucksack mitführe. Diese Flaschen stecken bei mir sehr fest in den Seitentaschen. Daher habe ich ein 0.33 oder 0.5 Liter Fläschchen zusätzlich an einem billigen, kleinen Halter. Das Fläschchen muss allerdings gegen störendes Herumbaumeln gesichert werden.
In Deutschland ist es relativ leicht an gutes Trinkwasser zu kommen. In den dünn besiedelten Gegenden Frankreichs wird das aber sehr schnell zu einem großen Thema. Zumal das Oberflächenwasser dort auch nicht wirklich vertrauenerweckend wirkt. Bei Touren im Schwarzwald oder im Gebirge ist das einfacher.
Wenn es sehr kalt ist und die Temperatur des mitgeführten Trinkwassers sich dem Gefrierpunkt annähert, neige ich dazu zu wenig zu trinken. Die Folgen können sehr unangenehm sein.
Tipp: Trinkwasser findet man oft an den Übernachtungsplätzen für Wohnmobile.

Essen

Ich brauche erstaunlich wenig Essen auf meinen Wanderungen. Kocher und Geschirr habe ich mittlerweile zur Gewichtsersparnis weg gelassen. An Brot und Käse kommt man in Frankreich leicht. Aus Deutschland nehme ich einen kleinen Vorrat gehaltvoller Vollkornwecken mit, die für einige Tage reichen.

Rucksack

Mein Lowe Alpamayo 70+20 ist schon locker 20 Jahre alt und entspricht vermutlich nicht der neuesten Trekkingmode. Dafür ist er super stabil und es passt locker alles rein was ich brauche.
Da der Rucksack schon lange nicht mehr wasserdicht ist, gehört der Regenschutz mit zur Ausrüstung.
Auch im Rucksack ist vieles wasserdicht verpackt. Dazu reichen schon einfache Plastiktüten.
Den +20 Auszug brauche ich selten. Momentan werden Rucksäcke mit 65 (+20) Litern angeboten, das sollte ideal sein.

Stöcke

Es mag sein, daß Stöcke den Laufstil versauen, wie ich es vor Jahren von einem Bergführer gehört habe. Wenn ich mal 30km abgespult habe und die Füße schmerzen, interessiert mich so etwas wie Stil nicht.
Ich laufe mit sehr alten Leki Makalus. Carbon habe ich mir angesehen, habe aber Bedenken, weil sie angeblich bei Scherbelastungen brechen können. (Update: Für meine Körpergröße passend habe ich mir im Spätsommer 2019 die Leki Micro Vario Carbon Strong gekauft. - Ich werde berichten.)
Ich empfinde die Stöcke sowohl bergauf, als auch bergab als Erleichterung. Meine Knie werden spürbar geschont.

Schlafen

Bei sommerlichen Temperaturen ist das Schlafen unter freiem Himmel angenehm, wenn ein paar Voraussetzungen stimmen:
  • Der Schlafplatz muss eben sein. Der Schlafsack rutscht schon bei moderatem Gefälle auf der Isomatte abwärts und man ist die ganze Nacht damit beschäftigt wieder bergauf zu robben.
  • Einigermaßen frei von Stocken und Steinen, die das Liegen unangenehm machen.
  • Frei von Schnecken und Stechmücken (Lässt sich nicht immer sicherstellen. Schnecken im Schlafsack sind eine ziemliche Sauerei.)
  • Entfernt von stark frequentierten Grillstellen oder den örtlichen Gassistrecken der Hundebesitzer


Im Herbst ist die Tarnung nicht perfekt
Im einfachsten Fall benutze ich eine 2,20x3 Meter "Kommandoplane" mit "Woodlands" Print. Die Plane lege ich auf dem Boden aus, lege meine 20 Jahre alte, aber  noch gut erhaltene Thermarest Ultralight (oder Thermarest Ultralite ?) drauf und darauf den Schlafsack (Daunen. Von Highlight Ende der 90er gekauft). In direktem Kontakt mit dem Schafsack ist die Plane allerdings nicht wasserdicht. Bei Regen spanne ich eine zeltartige Konstruktion auf. Außerdem drückt das Gewicht der Plane die Daunen zusammen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt spürt man das deutlich.
Tipp: Auf Höhe des Gesäßes lege ich ein Stück einer alten Isomatte (Schaumstoff) unter. Das kompensiert die schlechtere Isolation, wenn die Hüftknochen durch die Thermarest auf den kalten Boden durchdrücken. Auch sonst leistet das Stück gute Dienste als Sitzunterlage.

Kommunikation, Karten und die Energiefrage

Das Smartphone ersetzt mittlerweile inzwischen ein kleinen Rucksack voller Ausrüstungsgegenstände und macht das in den meisten Fällen ganz ordentlich.
Seit dem 15. Juni 2017 gibt es üblicherweise innerhalb der EU keine Roaminggebühren mehr. Damit steht auch das Datenvolumen für Internetverbindungen zumindest teilweise zur Verfügung.
Das erleichtert die Navigation erheblich, weil Kartenausschnitte, z.B. in Google Maps auch in der maximalen Detailstufe nachgeladen werden können.

  • Ich benutze gerne Gaia GPS (ohne das kostenpflichtige Abo) zur Navigation. Die kostenlosen Karten sind gut genug. Schön ist, dass man GPS-Tracks aus dem Internet importieren kann. Bei unklarer oder fehlender Beschilderung spart das einige Irrwege.
    Obwohl ich viele Kartenausschnitte vorab herunter geladen hatte, habe ich den Großteil meines 3GByte Datenvolumens für die App verbraucht.
    Ein echtes "Verirren" im traditionellen Sinne ist heute so gut wie unmöglich.
  • Mal eben nach den Öffnungszeiten des nächstgelegenen Supermarkts googeln oder das Mail mit der Buchungsbestätigung für die Jugendherberge vorlegen.
  • Bahnfahrkarten kaufen: Wenn man rechtzeitig bucht, bekommt man bei der französischen Bahn SNCF und der DB erstaunlich preiswerte Tickets.
    Ich benutze diese beiden Apps:
    OUI.sncf für Frankreich. Die App kennt auch die grenznahen Bahnhöfe in Deutschland.
    DB Navigator für Deutschland. 
  • Da mein Arbeitgeber mir regelmäßig ein aktuelles Handy, auch zur privaten Nutzung zur Verfügung stellt, ist auch die Kamera auf der Höhe der Zeit. Ich fotografiere nicht sehr viel, eine separate Kamera würde sich bei mir nicht lohnen.
Das alles braucht allerdings eine Menge Energie. Wenn man mehrere Tage keinen Zugang zu einer Steckdose hat, reicht die kleine PowerBank aus der Krabbelkiste beim Elektrodiscounter nicht aus. Die aufgedruckten technischen Daten scheinen oftmals frei erfunden zu sein. Nach mehreren Enttäuschungen bin ich nun mit dem chinesischen Edelhersteller XiaoMi vollkommen zufrieden. Ich hatte für einige Wanderungen eine ältere 16000mAh Power Bank (Aluminiumgehäuse), die ich Anfang 2018 gegen das unwesentlich schwerere Modell mit 20000mAh (stabiles Kunststoffgehäuse) getauscht habe. Das verschafft mir eine volle Woche Autonomie trotz intensiver Nutzung. Die PowerBank habe ich hier gekauft. Wegen der großen Kapazität reicht eine einzelne Übernachtung mit meinem normalen iPhone Lader (5 Watt) nicht um die PowerBank wieder voll zu laden. Da die PowerBank QC3 zur Schnellladung unterstützt, habe ich mir diesen 18Watt Lader dazu gekauft, der natürlich auch das iPhone lädt.
Energie Nachtanken in der Pilgerherberge in Chalaines
Wer ohnehin täglich in einer Herberge übernachtet, ist mit dieser leichten, schlanken 5000mAh Version auf der sicheren Seite und trägt nicht schwer.



Streckenplanung Heilbronn - Santiago de Compostela

Etappenübersicht Jakobsweg Heilbronn - Santiago de Compostela

Der grobe Plan sieht vor, von Heilbronn aus in Bad Wimpfen zum Jakobsweg Rothenburg-Speyer zu gelangen. Dann über den Pfälzischen und Saarländischen Jakobsweg die Kathedrale von Metz zu erreichen.
Für meine Pilgerwanderung wünsche ich mir ruhige, wenig begangene Strecken. Daher schlage ich den Weg nach Vezelay ein, um von dort aus den Weg der touristisch weniger erschlossenen Via Lemovicensis einzuschlagen.

Von Heilbronn nach Speyer

Die erste Etappe von 2015 über drei Tage von Heilbronn über Bad Wimpfen, Bad Rappenau, Sinsheim und St. Leon Roth nach Speyer habe ich hier beschrieben:
>>klick<<

Von Speyer zum Kloster Hornbach

Durch das flache Rheintal und den schönen Pfälzerwald ging es dann 2016 weiter bis zum Kloster in Hornbach.
>>klick<<

Von Hornbach nach Metz

Viel zu spät, im beginnenden Winter 2017 wanderte ich von Hornbach über St. Avold nach Metz.

Von Metz nach Joinville

Bei traumhaften Bedingungen durfte ich im Mai 2018 von Metz bis Joinville pilgern.

Von Joinville nach Vezelay

Ende April 2019, zur Osterzeit, war ich ganze zwölf erlebnisreiche Tage als Pilger unterwegs. In Vezelay erreichte ich den Startpunkt der Via Lemovicensis.
>>klick<<


Erste Wanderung 2015 Heilbronn - Speyer

Von Heilbronn nach Speyer auf dem Jakobsweg

November 2015

Für mich war klar: der Weg beginnt an meiner Haustüre. Beruf und Familie lassen nicht zu, den Weg "in einem Rutsch" zu gehen, also muss es in kleinen Schritten gehen.
In den Herbstferien, Anfang November 2015 hatte ich einige Tage Resturlaub, die gut zwischen familiäre und berufliche Verpflichtungen passten. - Die Gelegenheit den ersten Schritt zu machen.

Von Heilbronn nach Speyer


Ich wusste, dass einer der vielen Jakobswege in der Region durch Bad Wimpfen führt. Der Weg ist eine Teilstrecke des Jakobswegs Rothenburg - Speyer und ist sehr gut beschildert und dokumentiet.

2015 - Heilbronn-Speyer

1. Tag: Von Heilbronn nach Neuhaus

Aus einer großen Stadt heraus zu wandern ist kein großartiges Erlebnis. Das sollte nicht nur für Heilbronn, sondern für alle größeren Städte gelten. Wenn das Industriegebiete und Vororte durchquert sind und die Felder beginnen wird die Wanderung angenehm.
3. November 2015 - Zwischen Heilbronn und Bad Wimpfen
Da in Deutschland der Wald gerne als Naherholungsgebiet genutzt wird, gibt es zahlreiche Schutzhütten, die sich als wetterfeste Übernachtungsmöglichkeit anbieten. Für die erste  Übernachtung wählte ich die Heuberghütte auf dem Heuberg zwischen Neuhaus und Steinsfurt. Die Hütte liegt allerdings nicht direkt am Weg, sondern auf dem Berggipfel, einige hundert Meter Bergauf. Unter dem Vordach der Hütte sollten bis zu vier Personen Schutz finden können.
Heuberghütte

2. Tag: Von Neuhaus nach Reilingen

Frisch gestärkt ging es dann weiter, vorbei am Museum in Sinsheim über teils sehr schöne, teils eher triste Wege. Bei Metzgerei Ohr in Dühren erhält man nicht nur den Pilgerstempel, sondern kann auch lecker Mittagessen. Ein Highlight ist sicher die Kapelle auf dem Letzenberg, die leider geschlossen war.
In der schon anbrechenden Dunkelheit wanderte ich durch St. Leon Roth bis zum Wald nahe Reilingen, wo ich mein Nachtlager aufschlug.
Steil geht es hinauf zum Letzenberg

3. Tag: Von Reilingen nach Speyer

Die letzte Etappe bis Speyer war dann nur noch ein Katzensprung. Unterwegs trocknete ich meine vom Tau feuchte Ausrüstung in der Sonne uns wanderte dann sehr gemütlich zunächst zum Dom. Dann nach einem Mittagessen im Naturfreundehaus zur Jugendherberge.
Ich empfehle wenn möglich auch den Besuch im Historischen Museum der Pfalz, nicht nur um den Domschatz zu bestaunen.
Jakobspilger in Speyer
Am nächsten Tag ging es dann mit der Bahn zurück nach Heilbronn. Rückblickend waren die Tagesetappen etwas zu lang gewählt. Es war aber ein guter Start und sollte der Anfang eine langen Abenteuers sein.

Jakobspilgern - Eine alte Idee

Von Heilbronn nach Santjago?

Es muss Anfang der 90er Jahre gewesen sein, als ein Freund mir vom Jakobsweg erzähle. Irgendwie ist er während seines Architekturstudiums bei der Beschäftigung mit den mittelalterlichen Kathedralen auf das Thema gestoßen.
Ich war fasziniert. Zu Fuß durch halb Europa? Großartig!
Aber keine Sache von hoher Priorität.

Wirft man einen Blick auf die Statistiken, scheint zu dieser Zeit der Pilgerweg ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Wegstrecke klang machbar, der Verlauf führt durch Regionen, die als vergleichsweise sicher angesehen werden dürfen. Es sollte aber noch rund zwanzig Jahre bis zum ersten Schritt dauern.
Auf längeren Wanderungen in Nordschweden (Kungsleden), dem Westweg oder dem Schluchtensteig im Schwarzwald mit Übernachtungen unter einfachsten Bedingungen gewann ich die notwendige Erfahrung mit den Strecken, dem Gepäck und allen denkbaren Witterungen zurecht zu kommen.
Vieles hat sich in dieser Zeit gewandelt. Karte und Kompass sind nur noch das Backup für Notfälle, das Handy ersetzt einen erheblichen Anteil der Ausrüstung.
Ich habe gelernt vieles weg zu lassen.

Mehr darüber auf der Seite Ausrüstung

Hier geht es zur groben Streckenplanung.