Freitag, 15. März 2019

Fünfte Wanderung 2019: Joinville - Vezelay

Fünfte Wanderung 2019: Joinville - Vezelay

Jakobsweg von Joinville nach Vezelay

Der Pilgerweg führt nach Südwesten zum offiziellen Anfang der Via Lemovicensis: Der Basilika de la Madeleine in Vezelay. Je nach Kartenmaterial differieren die vorgeschlagenen Routen etwas. Als Orientierung diente das Buch "Jakobsweg Trier - Vezelay" aus dem Conrad-Stein Verlag in der schon etwas in die Jahre gekommenen Version von 2013.
Route 2019 von Joinville nach Vezelay
So langsam ergibt sich eine auf der Europakarte deutlich sichtbare Strecke. Als Nebeneffekt wird die Anreise in jedem Jahr länger und etwas teurer.

Wanderstrecke Jakobsweg 2015-2019

1. Etappe: Joinville - Ambonville (20.4.2019)

Dank einer günstigen Zugverbindung über Mulhouse und Chaumont kommeich kurz nach 12 Uhr in Joinville an, von wo ich im letzten Jahr mit vielen schönen Erlebnissen im Gepäck abgereist war.
Nach einem kurzen Besuch in der Kirche mache ich mich auf den Weg, der unkompliziert zu finden ist.
In Blecourt, etwa auf halbem Wege der heutigen Tour gibt es neben der Kirche einen Brunnen mit Trinkwasser. Die Kirche ist sehenswert. Ich habe das Glück, dass der Pfarrer und einige Gemeindemitglieder gerade für die Ostermesse mit Gesang und Instrumenten probten.
Madonna in der Notre-Dame de Blecourt
Den Umweg über den etwas zerfallenen Bildstock, der vor Lescheres-sur-le-Blaiseron ausgeschildert ist, kann man sich getrost sparen.
Die Tour besteht weitestgehend aus geteerten, manchmal auch geschotterten Wegen und Straßen. Das ist zwar nicht immer angenehm, ich bin aber recht flott am Ziel in Ambonville angelangt.
Schon auf der Landstraße fragt mich ein Autofahrer, ob er mich mitnehmen könne. Wie sich herausstellt ist er der Bruder von Pater Pascal Leseur, dem Betreiber der Pilgerherberge in Ambonville. Diese Herberge soll auch mein heutiges Ziel sein.
Noch unkomplizierter kann eine Pilgerherberge nicht sein: Ich belege eines der Zimmer, unterhalte mich kurz mit zwei Pilgerinnen aus Köln und mache mir ein kleines Abendessen. Alles was wissenswert it, ist auf verschiedenen Sprachen ausgehängt. Die Spende für die Übernachtung geht einfach in den Briefkasten am Haus.
Pilgerherberge in Ambonville
Es fehlt nicht an Lebensmitteln und Büchern, so daß man dort durchaus einen Regentag verbringen könnte.

2. + 3.  Etappe: Ambonville - Colombey-les-deux-eglises - Clairvaux (21.4.2019 (Ostersonntag))

Gut erholt erscheinen mir die 17 Kilometer nach Colombey-les-deux-eglises zu wenig für den schönen Tag und ich beschließe die knapp 14 Kilometer bis Clairvaux gleich noch hinten dran zu hängen. Die Landschaft ist gekennzeichnet von sanften Hügeln mit grobem Kalksteingeröll in den höheren Lagen. In der Morgenkühle ist die Strecke auf Teer- und Schotterwegen leicht bis zur Mittagszeit zu bewältigen.
Auf der Wiese bei Notre-Dame-des-Otages unweit des De Gaulle Museums kühle ich meine heißen Füße und und genieße mein Mittagessen.
Tafel auf dem Friedhof von Colombey-les-deux-eglises
Hier auf dem städtischen Friedhof liegt Charles De Gaulle begraben. Sein Grab ist gut besucht und zahlreiche Tafeln verschiedenster Gruppen zeigen ein sehr lebendiges Andenken.
Der weitere Weg nach Clairvaux führt einen endlos erscheinenden Waldweg entlang, auf dem es recht angenehm voran geht. Die 14 Kilometer sind flott zurückgelegt.
Blick zurück auf das Lothringische Kreuz
Entsprechend schnell ist Clairvaux, und damit die seit der Französischen Revolution als Gefängnis umgenutzte Abtei erreicht. Der öffentlich zugängliche Teil ist sehr schön renoviert, die Gefängnisgebäude befinden sich in einem zumindest äußerlich unglaublich desolaten Zustand.
Der "schöne" Teil des Klosters in Clairvaux
In der Tourist-Info erfahre ich, dass man die Abtei besichtigen kann. Das bezieht einen Teil des Gefängnisses mit ein, weshalb man seinen Ausweis hinterlegen muss. Leider gibt es an diesem Sonntag keine Führung mehr und am nächsten Morgen auf die Führung zu warten wäre mir zu spät geworden. Es wäre sicherlich interessant gewesen diesen Schauplatz von Victor Hugos Kurzgeschichte „Claude Gueuex“ zu besuchen. Rein äußerlich hat sich an der Atmosphäre nicht viel geändert.
Leider gibt es die Unterkunft bei den Schwestern, die sich um die Angehörigen der Strafgefangenen kümmerten nicht mehr. Einen Laden für Wasser / Lebensmittel kann ich nicht finden. Das Wasser wird morgen voraussichtlich knapp werden.
Da das Wetter stabil zu bleiben verspricht, suche ich mir ein Stück hinter Clairvaux ein schönes Plätzchen für meinen Schlafsack im Wald.
Aussicht aus meinem Schlafsack
Später, als die Sterne am Himmel erscheinen, steht der "Kleine Bär / Wagen" fast direkt über mir. Die Nacht ist ruhig, und trotz des sternklaren Himmels nicht zu kalt.

4. Etappe Clairvaux - Essoyes (22.4.2019 Ostermontag)

Gegen acht Uhr habeich meinen Rucksack schon wieder gepackt und weiter geht es in Richtung Essoyes. Die Streckenlänge von etwa 23 Kilometern führt mich in die Champagne, auch wenn es in der ersten Tageshälfte noch keine Weinberge zu sehen gibt.
Noch keine Weinberge zu sehen. Hier beginnt die Champagne.
In der offenen Vorhalle der Kirche vor Champignol-lez-Mondeville könnte eine ganze Pilgergruppe lagern. Leider ist die Kirche selbst verschlossen. Ein guter Platz für die Mittagspause und um den Tau der Nacht aus der Ausrüstung zu lüften.
Die Kirche aus dem 12. Jahrhundert ist leider geschlossen

Tatsächlich kommen aber bald die Weinberge in Sicht. Erstaunlich auf dem steinigen Boden. Die Winzer kümmen sich mit spürbarer Begeisterung um ihre Rebstöcke. Das bin ich so von unseren stets jammernden Winzern nicht gewohnt. In Essoyes liegt Auguste Renoir begraben, der auch die Hauptattraktion der netten, kleinen Ortschaft darstellt. Sein Haus, das Teil eines Museums ist, ist bereits geschlossen. Ein Besuch an seinem Grab ist trotzdem obligatorisch.
Grab von Renoir

Überall im Ort hängen verblichene Drucke seiner Bilder an den Häusern, einige Akzente im Stadtbild, wie rießige Farbtuben erinnern an den Sohn der Stadt.
Das Wetter solle die Nacht über noch gut bleiben, so daß ich beim WoMo Stellplatz hinter einem Picknicktisch meine Isomatte ausrollen kann und eine ruhige Nacht verbringe. Zwei Pilger, die mit dem Wohnmobil unterwegs sind helfen mir mit Wasser aus. Ich werde den beiden im weiteren Verlauf der Wanderung noch oft begegnen.

5. Etappe Essoyes - Les Riceys (23.4.2019)

Am vierten Tag melden sich bei mir gerne die Füße und verlangen nach einer Pause um sich etwas zu regenerieren. Da kommt mir die mit 17 Kilometern nur moderat lange Strecke nach Les Riceys (es gibt drei Riceys, daher der Name) sehr gelegen. Die Strecke hat ein paar Steigungen und führt abwechslungsreich durch Felder, Wälder oder Weinberge. Sie überquert im schönen Weinort Gye-sur-Seine die Seine.
An der Seine
In Les Riceys fallen die ersten Regentropfen, und obwohl es am Stauwehr eine Schutzhütte gibt, die problemlos für die Nacht ausreichen würde, finde ich als einziger Gast Unterkunft im sehr schlichten, aber angenehmen "Gite Communal". Den Schlüssel bekomme ich gegen eine geringe Gebühr im direkt benachbarten Rathaus, in dem ein reger Besucherverkehr herrscht.
Wohltuend schlicht ist die Atmosphäre im Gite Communal in Les Riceys
Nachdem ich für eine halbe Stunde die Beine hochgelegt hatte, treffe ich die beiden WoMo Pilgern, die ich am Vortag auf dem Weg nach Essoyes kennengelernt hatte. Nach einem Cappuccino (ist lecker und gibt Energie) aus der Wohnmobilküche machen wir uns gemeinsam auf den Weg die Ortschaft zu erkunden und kaufen im kleinen Supermarkt ein.
Les Riceys hat mit seinen drei Kirchen und einigen Kapellen ein ernstes Instandhaltungsproblem. Während viele kleinere Ortschaften offensichtlich um den Erhalt ihrer Kirchen kämpfen, trifft es Les Riceys dreifach hart.
Die Eglise Saint Jean Baptiste wird mit Mühe vor dem Zerfall bewahrt.
Die Kirche Saint Jean Baptiste ist geschlossen und nur provisorisch gegen weiteren Zerfall gesichert. Nach dem Besuch der sehr bescheidenen kleinen Jakobskapelle am Waldrand östlich des Ortes ziehe ich mich in mein Zimmer zurück.

6. Etappe: Les Riceys - Etourvy (24.4.2019)

Da das Rathaus um 8 Uhr schon öffnet, kann ich den Schlüssel abgeben und mich sofort auf den Weg machen. Die Strecke wird letztendlich mit 25 Kilometern etwas länger werden als geplant.
Der Jakobsweg führt sehr angenehm durch Wälder und Wiesen.
Ein schwarzer Panther!
Im Laufe des Tages verschlechtert sich das Wetter und der Geruch des Windes kündet vom nahenden Regen. Doch ich habe Glück und ich kann den heftigsten Regenguß an die Wand einer Scheune gepresst vorüber gehen lassen ohne gänzlich durchnässt zu werden.
In Etourvy hatte ich geplant in der Pilgerherberge von Ingeborg Crum zu übernachten. Der Rasen dort ist gepflegt, die Hühner gackern im Stall. Nichts deutetet darauf hin, daß sie Anfang August 2018 verstorben war.
An der Herberge in Etourvy
Wenn jemand nähere Informationen hat ob diese Herberge weiter betrieben wird, bitte eine kurze Nachricht in den Kommentaren hinterlassen.
Alternativ hätte es noch das "Foyer Rural de grand Secteur" als Unterkunft gegeben. Da ich aber noch genügend Wasser bei mir trage, kann ich die Nacht auch problemlos irgendwo entlang der Strecke verbringen. Etwa zwei Kilometer nach Etoutvy steht eine romantisch anmutende, steinerne Schutzhütte am Wegrand.
Äußerlich sehr nett
Die Strasse, die an der Hütte vorbei führt, ist ist recht ruhig. In der Nacht komen zwei oder drei Fahrzeuge vorbei gefahren. Durch die dicken Wände ist der Innenraum recht klein. Eine Wellblechtafel, die in der Hütte stand, passt aber diagonal auf den Boden. Kein ganz schlechter Schlafplatz, aber nicht jedermanns Geschmack.
Innen nur Wellblechmatratzen und Mäuse

7. Etappe: Etourvy - Tonnerre (25.4.2019)

Schon bald am nächsten Morgen komme ich in Mélisey am La Maison du Sabotier (Schuhmacherhaus / The Shoemaker's house) vorbei. Das Shoemakers House macht einen netten Eindruck und hätte sicherlich mehr Komfort und weniger Mäuse geboten als die Schutzhütte.
The Shoemaker's house - Melisey
An der Tür hängt ein Zettel mit Hinweisen welche der Nachbarn einen Schlüssel für die Unterkunft haben. Für Pilger, die eigentlich bei Frau Crum übernachten wollten, und die ca. 7 Kilometer nicht scheuen ist das eine gute Alternative.
Hier bekommt man den Schlüssel
Das schlechte Wetter raubtt der eigentlich sehr schönen Strecke etwas den Charme und ich bin ganz froh den kleinen Umweg über den Supermarkt bei Epineuil nehmen zu können. Im klimatisierten Supermarkt trocknen die Kleider recht schnell. Da meine Wasservorräte schon wieder weitgehend aufgebraucht  und die Vorräte aufgezehrt sind ein lohnender Abstecher.
Eine Bank im Eingangbereich lädt zur Rast mit Ausblick auf den verrregneten Parkplatz ein.
Vom Supermarkt ist es nicht weit bis Tonnerre. Die Pilgerunterkunft im Gebäude der Pfadfinder ist nicht schwer zu finden. Den Code für die Türen erhält man bei der Touri-Info gegen eine kleine Gebühr. Die Unterkunft selbst hat zwei Betten, ist nicht im besten Zustand und riecht etwas streng. Bei besserem Wetter hätte ich den Schuppen gegenüber der Herberge vorgezogen.
Pilgerunterkunft in Tonnerre
Im Laufe des Abends höre der Regen auf und ich kann den Ort und die Kirche besichtigen. Hier sind die Renovierungsarbeiten fast abgeschlossen, und selbst die Jugend hatte sich tatkräftig an den Arbeiten beteiligt. Der Ort hat einige Sehenswürdigkeiten. Leider ist das von Margarete von Burgund gestiftete Hotel Dieu schon geschlossen. Die Fosse Dionne, eine beeindruckende Karstquelle, die im 18. Jahrhundert mit einem Waschhaus umbaut wurde ist auch unbedingt sehenswert.
La Fosse Dionne wurde nach der Quellgörrin Divona benannt
An einigen Stellen zeigt sich noch der verbleichende Glanz einer nicht ganz so weit zurückliegenden Zeit. Immerhin sind die Bemühungen sichtbar die kulturellen Schätze zu bewahren.
Am nächsten Morgen ist der Regen des vergangenen Tages vergessen und die Kleider getrocknet.
Die Touri Info und ein leerstehendes Cafe
Tonnerre wäre auch im Rahmen eines Frankreichurlaubs eine lohnende Station für einen oder zwei Tage.

8. Etappe: Tonnerre - Chablis (26.4.2019)

Eine schönere Wanderung als diese Etappe ist kaum vorstellbar. Es geht nach einem herzhaften Anstieg über Wiesen und Wälder durch ein wunderschönes Hochtal.
Ideale Wanderbedingungen
Viel zu schnell ist nach knapp 20 Kilometern Chablis erreicht. Der Campingplatz vor dem Ort ist jetzt noch geschlossen, die Vorbereitungen für die Saison laufen aber schon. Dann ein kleiner Kulturschock: Hier trifft mein bislang so einsamer Weg auf die Strecke der Pilger, die aus Luxemburg, Belgien und den Niederlanden kommen. Ein großes "Hallo" schon am Cafe am Ortseingang. Dementsprechend hat die Pilgerherberge ein paar Betten mehr, auch wenn die Mehrzahl der Pilger Plätze in den Hotels vorgebucht hatten.
Dazu tummeln sich auf den Bürgersteigen noch Touristen mit großen und kleinen Weinpaketen in den Händen. Der ganze Ort ist sehr aufgeräumt, stellenweise fast steril.
Weingut in Chablis

9. Etappe: Chablis - Auxerre (27.4.2019)

Leichten Herzens mache ich mich am Morgen wasserdicht, um den Weg nach Auxerre einzuschlagen. Die Pilger aus den Niederlanden nehmen von hier direkt die Abkürzung nach Cravant. Das spart etwa eine Tagesetappe. Ich hatte mir diesen Tag als Puffer eingeplant. Da ich aber gut voran gekommen war, spricht nichts gegen die Wanderung nach Auxerre.
Der Weg aus Chablis führt durch die Weinlage "1ere Cru". Hatte ich schon in anderen Orten den Eindruck, dass sich die Winzer rührend um ihre Pflanzen kümmern, so übertreffen die Winzer in Chablis alles bisher gesehene. Jede Pflanze wird individuell betreut.

Blick zurück nach Chablis:
Alles ordentlich und sauber, auch im Weinberg.
Bei dem durchwachsenen Wetter sind die 25 Kilometer nach Auxerre kein richtiger Genuss, aber ich komme gut voran. Mittlerweile haben sich die Füße an das Wandern sehr gut gewöhnt und es wandert sich leichtfüßig. Es zeichnet sich ab, dass das Maison des Randonneurs wegen einer Veranstaltung des Alpenvereins komplett belegt sein würde. Bei dem Wetter nicht gut, da ich entlang des Weges keine geeignete Hütte oder Scheune für die Nacht finde.
Ich habe noch die Telefonnummer eines Mannes, der gelegentlich Pilger aufnimmt, aber erreiche ihn nicht.
Ich treffe auf einen Becher Cappuccino noch die WoMo Pilger Andrea und Frank und versuche mein Glück bei der Herberge. Die nette Dame am Empfang ist sehr hilfsbereit und versucht mir eine preiswerte Unterkunft zu vermitteln. Doch in meiner Preisklasse ist nichts verfügbar. Gerade wende ich mich zum gehen, als ein Herr die Rezeption betritt und sich suchend umsiegt.
Was für ein Glücksfall: Meine Frau (die perfekt Französisch spricht) hatte schon früher am Tag mit dem Besitzer der Herberge gesprochen, der sich um eine Unterkunft für mich gekümmert hat. Der Freund, der üblicherweise die überzähligen Pilger aufnimmt (und dessen Telefonnummer ich probiert hatte), ist im Krankenhaus. Der Herbergsvater hatte aber einen anderen Freund kontaktiert und ihm meine Telefonnummer gegeben, die aber einen Fehler enthielt. Die Dame am Empfang wusste von alldem nichts, zählte aber schnell zwei und zwei zusammen und wenige Minuten später sitze ich im Auto eines wildfremden Menschen auf dem Weg in einen der Vororte Auxerres.
Es sollte eine der schönsten Begegnungen der Reise werden:
Eine warme Dusche, ein hervorragendes Abendessen, interessante Gespräche und ein kuschliges Bett nach einem verregneten Wandertag.

10. Etappe: Auxerre - Cravant (28.4.2019)

So ein Bett und ein ausgiebiges Frühstück sind schon etwas feines. Philippe bricht schon früh mit dem Alpenverein zu einer Wanderung nach Vezelay auf.
Mmmmmh... Lecker!
Sylvi fährt mich nach Auxerre zur Kathedrale, von wo ich bei bestem Wanderwetter in Richtung Cravant aufbreche. Die Strecke führt über knapp 20 Kilometer an der Yonne entlang und verläuft so flach und gleichmäßig, dass ich schon nach gut dreieinhalb Stunden am Ziel bin. Dank des reichhaltigen Frühstücks habe ich noch nicht einmal das Bedürfnis nach einem Mittagessen.
Leider war die Kirche in Cravant geschlossen
Hier fließt die Cure in die Yonne. Der weitere Weg folgt der Cure.

11. Etappe: Cravant - Arcy (auch 28.4.2019)

Der Weg wird nach Cravant wieder etwas interessanter. Vom Waldweg oberhalb der Cure hat man einen schönen Blick auf die Abbaye de Reigny, die aber für mich leider auf der falschen Seite des Flusses liegt.
Abbaye de Reigny
In Cravant trifft der Weg der Pilger aus den Niederlanden wieder auf meine Strecke, das macht sich auch in der besseren Beschilderung bemerkbar.
Der Weg bietet noch Wandervergnügen für ein paar Jahre.
Am frühen Abend komme ich nach nohmals ca 13 Kilometern Wegstrecke in Acy sur Cure an, wandere aber direkt weiter zu den Höhlen, wo ich hoffe einen trockenen Schlafplatz zu finden. Der Tag war wechselhaft gewesen, der Boden etwas feucht und stellenweise matschig.
Wenige Kilometer hinter Arcy liegen die Grotten, in deren größter einige rund 30.000 Jahre alte Felszeichnungen zu besichtigen sind.
Das Tor, das um die späte Stunde den Weg zu den Höhlen versperrt stellt für den entschlossenen Wanderer kein nennenswertes Hindernis dar. Tatsächlich sind die kleineren Höhlen frei zugänglich, die höher gelegenen auch völlig trocken. Ein herrlich ruhiger Ort um den Abend zu verbringen und mein Nachtlager einzurichten.
Schlafplatz im Höhleneingang
Ich schlafe hervorragend, was sicherlich auch den knapp 40 Kilometern Wegstrecke geschuldet ist. Ich möchte jedem eine Übernachtung in einer Höhle sehr empfehlen.

12. Etappe: Grottes d'Arcy - Vezelay (29.4. / 30.4.2019)

Natürlich kann ich mir die Besichtigung der großen Höhle nicht entgehen lassen.
Trotz gelegentlicher Schauer war es schön trocken in der Höhle
Am Morgen kommen Andrea und Frank, die WoMo Pilger, um ebenfalls die Höhlenzeichnungen zu besichtigen. Da sie zu früh da sind, reicht es noch einen gemütlichen Cappuccino. Leider dürfen in der Höhle keine Fotos gemacht werden.
Erst um die Mittagszeit herum mache ich mich wieder auf den Weg, und hätte auch vollends nach Vezelay pilgern können, womit ich einen Tag zu früh da wäre.
Rapsfeld an der D206
Vorräte habe ich noch genug aus Auxerre, und so mache ich mir einen extrem gemütlichen Wandertag und baue recht früh im Wald vor Le Vau Donjon mein Nachtlager.
Rückblickend hätte ich noch locker Zeit gehabt einen Abstecher zum "Champ Antique de Cora" zu machen,
Lager für eine trockene Nacht unweit des Weges
Am nächsten Morgen kommt mir die Morgenkühle sehr gelegen, denn es gibt ein paar Steigungen zu überwinden. Die Basilika auf dem Hügel ist schon schon bald im Morgendunst zu erkennen.
Am Horizont taucht die Basilika auf
Noch vor dem Mittag habe ich den Hügel erklommen und finde die Kirche und insbesondere das Portal verhüllt vor. Der Innenraum der Basilika ist in sehr gutem Zustand. Den Stempel für den Pilgerausweiß bekommt man bei der Dame am Info-Ständchen. Alternativ dazu auch beim Centre Sainte Madeleine, wo ich schon zur Mittagsteit ein Bett im Schlafsaal belegen kann.
Centre Sainte Madeleine - Vezelay
Ich verbringe einen angenehmen Tag in dem netten Dörfchen. Die Aussicht von der Fläche hinter der Kirche ist großartig, der Ort selbst sehr gut für den Besuch von Touristen eingerichtet. Es gibt einen kleinen Lebensmittelladen und einen leckeren Bäcker. So ist das Abendessen und der Proviant für die Heimfahrt gesichert.
Am Abend besuche ich noch die Messe. Eine angenehme Atmosphäre.

13. Etappe: Vezelay - Sermizelles Bahnhof (1.5.2019)

Diese Etappe gehört nicht zum Jakobsweg, aber zu meiner Wanderung und daher auch ins Blog.
Noch im Morgengrauen mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Andere Pilger nehmen dafür den Bus nach Avallon. Angesichts der überschaubaren Strecke von knapp 9 Kilometern und der Tatsache, dass der Zug erst kurz vor 10h abfährtr ist es aber kein Problem zu Fuß zum Bahnhof zu kommen.
Die Dorfstrasse von Vezelay im Morgennebel
Aus dem verschlafenen Dorf, vorbei an der Basilika im Morgendunst den Hügel hinab zu steigen ist ein schönes Erlebnis. Tatsächlich gestaltet sich die Strecke entlang der Landstraße unproblematisch und ich komme weit zu früh am Bahnhof an.


Die Strecke führt mit Regionalbahn, TGV und S-Bahn völlig störungsfrei über Paris und Karlsruhe zurück nach Heilbronn.
Und jetzt freue ich mich schon auf die Fortsetzung im kommenden Jahr (2020).