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Mittwoch, 10. Juli 2024

Zehnte Wanderung 2024: Sainte-Foy-la-Grande nach Mont-de-Marsan

Zehnte Wanderung 2024: von Sainte-Foy-la-Grande nach Mont-de-Marsan

Ein sehr anspruchsloses Höhenprofil, schnurgerade Wege und große, künstlich angelegte Monokulturwälder. Was kann man da schon groß erwarten? - Los geht's!
Durch die Landes de Gascogne

Anreise und erster Wandertag (Samstag, 8.6.2024 ca. 10km)

Schon um 5:34 fährt mein Zug ab. Alle Umstiege und der obligatorische Wechsel der Bahnhöfe in Paris funktionieren tadellos. Etwas kurios ist der Ouigo "billig-TGV", bei dem der Rucksack als großes Gepäckstück 5 € extra kostet. So günstig ist die Fahrt von Paris nach Bordeaux dann auch wieder nicht  und er wirkt weniger gepflegt als die regulären SNCF-Züge. Aber ok, dafür fährt er pünktlich. Dann noch ein Stück mit dem Regionalzug und ich stehe um 16:45 ziemlich genau an der Stelle, an der ich im Mai 2023 meine Pilgerreise beendet hatte.

Der Plan sieht vor, heute einfach nur eine geeignete Stelle zu finden, an der ich mit dem Zelt übernachten kann. Es ist unangenehm schwül und die um diese Zeit stark befahrene Straße bis Pont-de-la-Beauze ist kein Vergnügen. Danach, über Feldwege und durch Weinberge, geht es schon wesentlich schöner voran.
Die erste Übernachtung
An einer Schneise im Wald finde ich ein gemähtes Stück Wiese zwischen Weinberg und Waldrand. Ich hatte auf einen sternklaren Himmel gehofft, um ein paar Fotos zu machen. Vielleicht wird das ja in den nächsten Tagen noch besser.

Zweiter Wandertag: von La Bonnetie Haute nach St. Ferme (Sonntag, 9.6.2024 ca. 19 km)

Es regnet. Nicht besonders stark, aber das Zelt muss ich nass einpacken. Hoffentlich gibt es eine Möglichkeit es im Laufe des Tages zu trocknen. In Pellegrue mache ich Frühstückspause und trinke einen Kaffee vor der Bar der kleinen Orts.
Kaffee und Kekse
Der Blick fällt unweigerlich auf die große Markthalle aus dem vorletzten Jahrhundert, die in bemerkenswert gutem Zustand ist. Zwei Pilger überholen mich und ich unterhalte mich bestmöglich mit zwei älteren Franzosen, die den Sonntagmorgen ebenfalls für einen gemütlichen Kaffee vor der Bar nutzen.
Achtung Pilger!
Im weiteren Verlauf des Weges begegne ich einem jungen Franzosen, dessen Eltern einen Bauernhof haben, der aber selbst diesen Beruf nicht ergreifen möchte. Er ist unterwegs, um sich darüber klar zu werden, was er künftig machen möchte. Prompt verlaufen wir uns wegen unseres Gesprächs, finden aber gleich wieder einen Weg zurück auf unsere Route und kreuzen das Revier einer Fuchsjagd. Es folgen ein paar sehr schöne Passagen durch die Wiesen und sehr bald erreiche ich Saint Ferme.
Das 1080 gegründete Benediktinerkloster dort ist als Wohn- und Rathaus genutzt und es herrscht erstaunlich viel Betrieb. Heute ist Europawahl! Prima, so kann ich mir wenigstens einen Teil des Rathauses anschauen.
Klosterkirche St. Ferme
Die ehemalige Klosterkirche ist ein wohltuend schlicht ausgestatteter, romanischer Bau. Bis zur Öffnung der Herberge ein paar Straßen weiter, habe ich die Kirche für mich alleine.
Am Nachmittag hört es auf zu regnen und die Sonne scheint. Auf der Wäscheleine vor der Pilgerherberge trockne ich mein Zelt. Wir sind zwei Gäste an diesem Abend: Frans aus den Niederlanden ist neben mir der einzige Gast in der für sechs Pilger ausgelegten Herberge.
Die Herbergsmutter fragt noch die Wünsche für das Frühstück ab und schon recht bald kehrt Ruhe ein.

Dritter Wandertag: von St. Ferme nach Pondaurat (Montag, 10.6.2024 ca. 28 km)

Der Rucksack ist am Morgen schnell und effizient gepackt, wenn man weder Isomatte noch Zelt gebraucht hat. Dann noch ein kleines Frühstück und die Herbergsmutter winkt zum Abschied.
Abschied von der Herberge in St. Ferme
Blauer Himmel und Schäfchenwölkchen versprechen ein angenehmes Wanderwetter. Die Temperatur ist seit dem gestrigen Regen wieder in angenehmere Bereiche gefallen als es noch am Samstag der Fall war.
Der Großteil des Weges führt über kleinere Straßen, auf denen es zügig voran geht. In La Reole, ungefähr nach zwei Dritteln des Weges, gibt es eine prima Bäckerei. Hier kommen zur Mittagszeit nach-und-nach alle Pilger durch: Die Belgier (2), Franzosen (3) und Niederländer (1). Die Croissant au Jambon Fromage sind sehr zu empfehlen und ich fülle auch gleich die Wasser- und Brot-Vorräte auf.
Bei der nächsten Pause in Floudes treffe ich auf Hubert, der die Niederländische Mannschaft ergänzt.
In Pondaurat angekommen, sind alle Plätze der Pilgerherberge belegt. Das ist nicht weiter schlimm: ich habe genug Vorräte und hinter der Festhalle des Ortes gibt es eine Wiese mit Bänken, die recht selten benutzt wirkt.
Prima Kochstelle
Hinter der Festhalle gibt es eine Grillstelle, an der ich komfortabel meinen Kocher aufbauen kann und ein kleines Abendessen bereite. Als es dämmert, baue ich das Zelt auf und beschließe den Tag.
Hier ist nix los

Vierter Wandertag: Von Pondaurat nach Cazats (Dienstag, 11.6.2024 ca. 23 km)

Einen Bäcker scheint es hier nicht zu geben, aber das ist auch nicht unbedingt nötig, die Vorräte aus La Reole halten noch und an der Strecke gibt es einen Supermarkt. Ich verpacke das halbnasse Zelt und los geht die Pilgerfahrt. Die Wegführung heute vermeidet größere Landstraßen, führt dafür aber etwas unökonomisch über lange Umwege. Schon in Savignac kommt der Supermarkt. Hier gibt es nicht nur Wasser und Brot, sondern auch Kaffee und Croissants. Damit sind die Vorräte ergänzt und ich plane wieder im Zelt zu übernachten.
Auf den Waldpassagen begegne ich auch erstmals einer regionalen Kuriosität: Einer Palombiere. Lange, überdachte und gut getarnete Gänge für die Jagd auf Ringeltauben. Überall gespannte Schnüre und Hebelvorrichtungen ermöglichen es den Jägern an den Bäumen zu rütteln um die Tauben aufzuscheuchen.
Eine Palombiere
Einige der Waldwege sind für Wanderer vom 1. Oktober bis 20. November komplett gesperrt. Zu anderen Zeiten soll der Wanderer pfeifen, um auf sich aufmerksam zu machen.
Am frühen Nachmittag halte ich nach einem Platz für die Übernachtung Ausschau. Schon bald seht am linken Wegrand ein Schild: "Halte GR Pelerin Compostelle" die Wiese ist gemäht, der Wohnwagen hingegen verschlossen.
Angenehmer Zeltplatz an der Strecke
Keiner da und alles durchnässt. Egal, offensichtlich ist das genau für mich gedacht und ich richte mich gemütlich ein. Das Wetter bessert sich gegen Abend. Ich kann ungestört mein Abendessen kochen und verbringe eine ruhige Nacht im Zelt.

Fünfter Wandertag: Von Cazats nach Captieux (Mittwoch, 12.6.2024 ca. 23km)

Schon nach wenigen Kilometern komme ich auf die zum Rad- und Wanderweg ausgebaute, stillgelegte Eisenbahnstrecke. In Bazas besuche ich die Kathedrale und ergänze beim Supermarkt meine Vorräte. Viel muss ich nicht tragen, denn am heutigen Ziel soll es zwei Supermärkte geben. Es geht  dann auf der  Bahnlinie schnurgerade und und wie im Fluge voran. Hier beginnen die großen Eichen- und Kiefernwälder, durch die der Weg nun führt. Je nach dem wer der Pilger gerade Pause macht wird überholt. Ich treffe die Belgier, die Französinnen und das niederländische Team.
Hier verläuft sich keiner
Die gerade, flache und damit völlig unschwierige Strecke lässt den Kopf frei werden. Natürlich nur soweit es mein Schnupfen zulässt. Von den Kiefern, die eigentlich intensiv riechen sollten, nehme ich nichts wahr. Die gute Luft macht das Geschniefe aber erträglich.
Genau zeitgleich erreichen Frans und ich unseren Zielort Captieux. Im Rathaus bekommen wir den Schlüssel zum Refuge Municipal, wo wir uns als die beiden einzigen Gäste einrichten.
Schlicht aber ausreichend
Im Supermarkt finde ich ein "Rillettes de Canard", das hier am Ort hergestellt wurde. Kein billiger Spaß, aber sehr lecker. Dazu Brot und Käse.
Lokale Leckerei
Nach zwei Nächten im Zelt ist mir die Dusche sehr willkommen. Die Unterkunft ist sehr schlicht und wäre voll belegt sicher kein großer Spaß, aber für zwei Pilger sehr entspannt.

Sechster Wandertag: Von Captieux zur Chapelle de Lugaut (Donnerstag, 13.6.2024 ca. 26km)

Kurz Ordnung und Sauberkeit im Refuge wiederhergestellt und schon geht es wieder los. Ein kurzer Umweg über den Bäcker und weiter auf der schnurgeraden Strecke.
Vom westlich des Weges liegenden Militärgelände höre ich den ganzen Vormittag über Lärm von Flugzeugen und Explosionen. Das passt so gar nicht in die friedliche Landschaft.
Der Weg ist nun weniger gut ausgebaut und nach der Überquerung der unendlich lang erscheinenden Autobahn geht es nun auf Feldwegen weiter. Der Boden wird jetzt teilweise sandig.
Es wird sandig
Spätestens jetzt bin ich in den Landes de Gascogne angekommen. Es wundert mich nicht, daß diese Gegend bei den mittelalterlichen Pilgern gefürchtet war: Bremsen und Schnaken sind trotz der Trockenlegung noch zahlreich. In den Gräben steht das Wasser. Durch die Aufforstung seit dem 18. Jahrhundert gibt es mittlerweile eine dünne Humusschicht. Dort wo die nicht vorhanden ist, ist das Gehen anstrengend, weil die Schuhe tief in den feinen Sand sinken.
Das ist eher untypisch
Die Dörfer sind weniger zahlreich als in den letzten Tagen. Dafür gibt es jetzt immer wieder gerodete Lichtungen mit mageren Wiesen voller blühender Blumen.
Es geht gut voran und ich erreiche die von mir als Übernachtungsplatz geplante Chapelle de Lugaut, die auf einer großen Lichtung im Wald liegt.
Chapelle de Lugaut - Geschlossen
Im Sommer muss hier eine Menge los sein: Parkmöglichkeiten für PKW und Busse sind ausgeschildert, Picknickplätze mit Tischen und Bänken stehen bereit.
Die Kapelle ist aber geschlossen. Das ist kein Wunder, denn die Fresken möchte man sicher nicht unbeaufsichtigt lassen. (siehe hier).
Super praktisch hingegen: Die Toilette im Haus neben der Kirche ist sauber und geöffnet. (Ok, sicher nicht mit Absicht, da ein Verlängerungskabel die Tür blockiert.) Da hatte ich schon Campingplätze mit weniger Komfort.
Käsenudeln zum Abendessen
Frans hatte mir am Morgen die Hälfte seiner Nudeln vermacht, die sich jetzt in leckere Käsenudeln zum Abendessen verwandeln lassen. Etwas geschützt hinter den Bäumen baue ich mein Zelt auf, erkunde noch kurz die Umgebung und beschließe den Tag.

Siebter Wandertag: Von der Chapelle de Lugaut nach Bostens (Freitag, 14.6.2024 ca. 20 km)

Es regnet. Bevor es so richtig losbricht, bringe ich meine Sachen unter dem Vordach der Kapelle in Sicherheit. Es hilft aber alles nichts: Ich mache mich bestmöglich wasserdicht und gehe los.
Der Weg führt über Roquefort (nein: schon genau wie der Käse, aber das ist nicht dieses Roquefort). Schon an der ersten Kreuzung lädt eine Bar zum Morgenkaffee. Die schöne, verwinkelte Kirche liegt auf einem Hügel an der Stadtmauer oberhalb des Flüsschens Douze. Am Ortsende wartet eine gut sortierte Bäckerei.
Mit aufgefüllten Vorräten und einem entsprechend schweren Rucksack pilgere ich zuerst auf Sandwegen, später auf keinen, geteerten Straßen weiter. Meine Planung für die Übernachtung ist noch etwas unscharf. Irgendwo um Bostens herum wäre gut, wenn ich etwas fände. Das würde für die beiden letzten Streckenabschnitte heute und morgen jeweils schön ausgewogene Distanzen ergeben.
Prima eingelaufen und mit nur einer einzigen, eher kleinen Blase am Zeh, komme ich gut vorwärts und viel schneller als erwartet erreiche ich Bostens. Ich setze mich auf eine der die Bänke vor der Kirche, um ein verspätetes Mittagessen zu verputzen. Kaum eine halbe Stunde später sitzt ein Großteil der "üblichen" Pilger mit dabei. An der fantastischen, romanischen Kirche scheint außer mir keiner Interesse zu haben. Im Narthex der Kirche ist rechts eine niedrige Tür, die den Pilger zur Einkehr auffordert. Zu meiner Verwunderung finde ich einen rustikal ausgestatteten Raum mit Tisch, offenem Kamin und kleiner Küche.
Pilgerstube in Bostens
Im Süden der Kirche ist eine Rasenfläche, dahinter eine öffentliche Toilette. Perfekt! Hier bleibe ich.
Ein wenig später setzt leichter Regen ein und ein zweiter Pilger gesellt sich mit seinem Zelt dazu. Er leidet ziemliche Schmerzen wegen seiner wunden Füße. Kein Wunder bei den 40km, die er täglich zurücklegt. Aber es sei der letzte Tag für ihn, seine Frau sammle ihn morgen in Mont de Marsan ein.
Nettes Plätzchen
Ich besichtige noch die Kirche, die ich wieder ganz für mich habe und den dahinter liegenden Friedhof. Eine Frau, die gerade Gräber pflegt, berichtet, daß hier eine Pilgerherberge entstehen soll. Die Arbeiten gehen aber nur langsam voran. Gegen zeltende Pilger hat man hier nichts einzuwenden. Falls der Regen zu schlimm werden sollte, sollten wir doch unsere Matratzen nehmen und im Aufenthaltsraum Schutz suchen. - Obwohl aus der Ferne Donner grollt, bleibt der Regen eher harmlos.

Achter Wandertag: Von Bostens nach Mont-de-Marsan (Samstag, 15.6.2024 ca. 20km)

Ich rufe die Nummer der "Amis de St Jacques des Landes" an und bekomme von Jean Pierre ein Bett in der Pilgerherberge zugesagt. Na dann kann ich den Tag ja gemütlich angehen. In der Bar "Au Coeur des Landes" gibt es Kaffee, Croissants und Chocolatines. Und die Sonne kommt raus. Also mache ich nach noch nicht einmal vier Kilometern eine ausgedehnte Frühstückspause. Die Französinnen sind auch da, sie haben hier im Gästezimmer der Bar übernachtet.
Lecker!
Am Treppengeländer des Rathauses von Bougue trockne ich mein Zelt in der Sonne. Von hier aus geht es wieder einmal auf einer stillgelegten und zum Rad- und Wanderweg ausgebauten Bahnstrecke schnurgerade nach Mont-de-Marsan.
Den Schlüssel für die Pilgerherberge bekomme ich im asiatischen Supermarkt zwei Straßen weiter. Ich bin scheinbar der einzige Gast in der großen Herberge. Das Gebäude ist interessant. Außen noch die ursprüngliche Aufschrift "BAINS - DOUCHES", ist es innen V-förmig in zwei Flügel aufgeteilt. Geöffnet ist nur der rechte Flügel. Dort gibt es fantastisch großzügige Duschen. Da, wo einst wahrscheinlich die Badewannen standen sind nun die Betten für die Pilger. Ich beziehe eines der Betten und mache noch einen Ausflug in die Stadt. Buchhandlungen, Supermarkt... alles da. Ein sehr schönes Städtchen.
Tolle Herberge!
Am Abend schaut Jean Pierre noch nach dem Rechten. Den Schlüssel soll ich einfach in der Herberge hängen lassen, wenn ich morgen gehe.
Ich dusche noch lange und heiß, bevor ich mich in meinen Schlafsack kuschle.

Neunter Tag: Rückreise (Sonntag, 16.10.2024)

Jean Pierre hatte mir nicht nur den Weg zum Bahnhof erklärt, sondern auch den besten Bäcker  am Ort empfohlen. Also packe ich meine Sachen reisefertig ein und wandere zuerst zum Bäcker, um ein kleines Frühstück und etwas Proviant für die Rückfahrt einzupacken.
Was man nicht sieht: Es ist voll hier!
Der Zug ist pünktlich und alle Anschlüsse passen. In Paris habe ich noch Zeit für einen Ausflug zum Eiffelturm. Dort ist eine gigantische Baustelle, da auf dem Marsfeld einige der Wettkämpfe der olympischen Spiele stattfinden werden. Gegen 22:30 bin ich zurück in Heilbronn.
Das war super easy und erholsam: Für die einfache Strecke haben die leichten Halbschuhe völlig ausgereicht, und die Füße blieben weitgehend blasenfrei. Jetzt wäre ich perfekt eingelaufen, um auch längere oder schwierigere Strecken locker zu wandern. Der kräftige Schnupfen, mit dem ich gestartet war hat sich weitgehend verzogen und hatte mich während der Wanderungen kaum beeinträchtigt. Ich kann ja im nächsten Jahr noch ein bisschen schnuppern wie die Landes riechen.

Freitag, 22. September 2023

Neunte Wanderung 2023: Limoges nach Sainte-Foy-la-Grande

Neunte Wanderung 2023: von Limoges nach Sainte-Foy-la-Grande

Fantastisch! Eine Woche Sonderurlaub zur Erholung nach dem Cyberangriff auf die Heilbronner Stimme. Es gibt einige Termine, aber alles lässt sich "Worcation-Style" mit dem Handy erledigen. Also nix wie los auf den Camino.

Anreise und erster Wandertag (Montag, 8.5.23 - ca. 14 km)

Wie schon so oft fahre ich mit der Stadtbahn nach Karlsruhe und steige dort in den TGV nach Paris. Mit den Jahren hat sich Paris deutlich verändert: viele Straßen sind für Autos gesperrt oder verengt. Es gibt stark frequentierte Radwege, es ist insgesamt grüner. Überall Restaurants, Cafes und Menschen. - Viele Menschen. Die Stadt wirkt so viel grüner und lebendiger als noch vor wenigen Jahren.
Ich habe genug Zeit, zu Fuß vom Ostbahnhof zum Bahnhof Austerlitz zu wandern, Pause an der Seine zu machen und sehr entspannt meinen Zug nach Limoges zu besteigen.
Kurz nach 16 Uhr bin ich dort. Die Erinnerung an die Wanderung des letzten Jahres ist sofort wieder präsent.
Bahnhof Limoges Benedictins


Der größte Teil des Weges nach Aixe-sur-Vienne führt entlang großer Straßen, etwas ländlicher wird es erst nach etwa 10 Kilometern. In Aixe angekommen, ist der Campingplatz schnell gefunden. Es ist schon spät und die Frau, die sich um die Rezeption kümmert, ist schon auf dem Weg in den Feierabend. Egal, sie kommt morgen um 8 Uhr wieder. Ich kann mir einen beliebigen Platz für mein Zelt aussuchen. Obwohl es schon spät ist, muss ich mir noch die Reste der römischen Brücke anschauen. Zurück auf dem Campingplatz, schlafe nach dem langen Tag vorzüglich.
Reste einer römischen Brücke

Zweiter Wandertag: Von Aixe-sur-Vienne nach Firbeix (Dienstag, 9.5.23 - ca. 38 km)

Es war so vorhergesagt: Ich schaffe es gerade so mein Zelt noch trocken zusammenzulegen, da beginnt es zu regnen. Sehr kräftig zu regnen. Den ganzen Tag über regnet es mehr oder weniger.
Einen für dieses Wetter geeigneten Übernachtungsplatz finde ich nicht, so weiche ich auf meinen "Plan-B" aus, und pilgere weiter bis nach Firbeix, wo es am See sehr schöne, überdachte Picknickplätze gibt. Es werden damit etwa 38 Kilometer Strecke. Kein Problem für die Ausdauer, aber die Füße sind nach dem ersten richtigen Wandertag schon etwas strapaziert. Schlauer wäre, die Strecken langsam zu steigern. Aber es ist wie es ist. - Es dämmert schon, als ich in Firbeix ankomme.
Ich baue Isomatte und Schlafsack auf dem Tisch auf. Leider ist die nagelneue Isomatte schon leicht undicht, und ich muss ca. alle zwei Stunden wieder aufblasen. Das ist nicht sehr erholsam.
Der Plan geht auf und ich übernachte ohne nass zu werden.

Dritter Wandertag: Von Firbeix nach La Coquille (Mittwoch, 10.5.23 - ca. 11km)

Heute regnet es mal weniger, was neben der kurzen Strecke auch recht erholsam ist und ich erreiche schon zur Mittagszeit La Coquille.
Sehr schöne Wegabschnitte heute
La Coquille ist ein recht verschlafenes Dorf mit einer kleinen Pilgerherberge, in der ich unterkomme.
Robert, der neuseeländische Australier ist neben mir der einzige weitere Gast in dieser Nacht.

Vierter Wandertag: Von La Coquille nach Sorges (Donnerstag, 11.5.23 - ca. 31km)

So ein halber Pausetag ist eine feine Sache, denn heute liegt wieder eine längere Strecke vor mir. Die Gegend ist sehr ländlich, super grün und ich treffe wesentlich mehr Kühe als Menschen. Das Streckenprofil ist harmlos und es geht vorwiegend bergab. Besonders flott geht es auf der schnurgeraden Route Napoleon vorwärts, auch wenn da schon wieder die Füße anfangen zu qualmen.
Ich brauche auf den 30 Kilometern einige Pausen, auch um die Regenkleidung an- und auszuziehen. Es regnet, hört dann aber auch schnell wieder auf und es wird heiß unter dem Poncho.
Rechtzeitig vor dem Gewitter erreiche ich Sorges.
Nach kurzem Umherirren finde ich die wunderschöne Pilgerherberge. Doch oh Schreck! Alle 6 Betten sind schon belegt. Nach kurzer Beratung findet sich ein Platz für eine Matratze und ich habe meinen Schlafplatz, auch wenn die anderen Pilger über mich drüber klettern müssen.
Sehr schöne, aber kleine Pilgerherberge in Sorges
Die Herbergsmutter hat gekocht! Es gibt sehr lecker zubereitete Hähnchen und Kartoffeln, und das reichlich. Das sollte für ein paar Tage reichen.
Nach dem Küchendienst spielt Madame Pilgerlieder auf ihrer Ziehharmonika, dann ab ins Bett. Ich schlafe hervorragend!

Fünfter Wandertag: Von Sorges nach Perigeux (Freitag, 12.5.23 - ca. 22 km)

Das ist die ideale Distanz! Bis kurz vor Perigeux ist die Strecke recht angenehm, danach durch die Vororte nicht so der Knüller. Die Pilgerherberge ist eine Etage in einem Wohnhaus und ich habe ein Zimmer für mich alleine. Perigeux ist ein sehr netter Ort. Das Highlight natürlich die Kathedrale - ein außergewöhnlicher Grundriß in romanischem und byzantinischen Stil.

Shopping darf auch nicht zu kurz kommen. Hier gibt es alles um meine Vorräte wieder aufzufüllen.

Sechster Tag: Von Perigeux nach les Brousses (Samstag, 13.5.23 - ca. 27km)

Der Weg aus Perigeux heraus ist erstaunlich schnell bewältigt und es geht auf dem neu angelegten Rad- und Wanderweg schnell voran. Wieder ist die Strecke erholsam grün und angenehm. Das Höhenprofil völlig anspruchslos. Das Wetter ist wieder instabil und das An- und Ausziehen der Regenklamotten bremst das Wandertempo merklich.
Am frühen Nachmittag erreiche ich den Campingplatz "Le Pontet" am Ortseingang von Saint Aistier. Aber der hat zu. Nix zu machen: Hier wird kräftig renoviert, alles ist abgesperrt. Nicht so schlimm: Ein Stück weiter gibt es laut MiamMiamDoDo eine super Pilgerherberge im Schloss Puy Ferrat. 
Doch hier tummeln sich Menschenmengen! Ein großes Fest wird vorbereitet und es ist schwierig jemanden zu finden, der Auskunft geben kann. - Nein: Wegen des Fests ist alles belegt. Kein Platz für Pilger heute.
Hier wäre ich gerne geblieben
Schade, das wäre ein sehr interessanter Übernachtungsort gewesen.
Also weiter. Ich halte die Augen nach einem passenden Ort für mein Zelt auf. Und tatsächlich: schon nach dem nächsten Hügel finde ich einen gemähten Streifen am Rand eines Waldes. Komplett mit Sonnenuntergang und allem drum und dran. - Trotz undichter Isomatte schläft es sich ganz gut so.
Kein Schloss, aber auch sehr nett

Siebter Tag: Von Les Brousses nach Mussidan (Sonntag, 14.5.23 - ca. 21km)

Der Sonntag ist ein Sonnentag! Unglaublich, wie schön und frisch alles in dem warmen Sonnenlicht ist. Wiesen, Wälder und Feldwege sind vom Regen sauber gespült und trocken. In Douzillac sitze ich am späten Vormittag auf der Terrasse des Restaurants und lasse mich von der Sonne wärmen.
Recht früh bin ich in Mussidan und mit 4,7 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit auch wieder etwas schneller als am Vortag.
So lässt es sich aushalten
So mache ich noch einen Ausflug zum Supermarkt, bevor die Dame vom Rathaus die Pilgerherberge in einem etwas heruntergekommenen Gebäude öffnet, kurz kassiert und dann wieder verschwindet. Die Herberge selbst ist schön. Robert und ein Pilgerehepaar sind auch da. Robert kocht Abendessen. Ich mache dafür den Abwasch. - Schlechte Wahl: es war eingebrannt.

Achter Tag: Von Mussidan nach Montfaucon (Montag, 15.5.23 - ca. 29 km)

Ein wunderbar sonniger Morgen. Was für ein Genuss in die sonnige Morgenkühle zu wandern. Nach 10 Kilometern erreiche ich die schöne Kiche von Saint Gery, wenig später kommt ein gemütlicher Rastplatz für Pilger. Der Hinweis am Mülleimer: Nur für Pilgermüll!
Picknickbank am Pilgerweg
Am Nachmittag öffnet der Himmel seine Schleusen wieder und holt alles nach, was er sich in den letzten beiden Tagen aufgespart hat. Glücklicherweise komme ich an eine Bushaltestelle, die mich vor dem stärksten Schauer bewahrt. 
Bäääh!
Der Campingplatz in Montfaucon ist geschlossen! Das ist bei dem Mistwetter unangenehm. Also weiter und die Augen offenhalten! Und tatsächlich finde ich ein ideal geeignetes Häuschen in einem Weinberg. Eine saubere, überdachte Terrasse. Besser als jeder Campingplatz!
Idealer Übernachtungsplatz
In der Nacht regenet es. - Ist mir egal...


Neunter Tag: Von Montfaucon nach StFoy la Grande (Dienstag, 16.5.23 - ca. 7 km)

Am Morgen kommen Wildschweine aus dem Wald und suchen in den Weinbergen nach Futter. Ein kleines Geräusch und blitzartig sind sie wieder im Wald verschwunden. Ohne Zelt ist die Ausrüstung schnell zusammengepackt und ich mache mich auf die letzte, kurze Etappe durch das sanft hügelige, grüne Land.
Windmühle
Ich mache viele Pausen und treffe daher noch einige bekannte und unbekannte Pilger, die mich überholen. Um die Mittagszeit herum komme ich in St. Foy la Grande an. Ich besuche die Kirche und schaue mich in den umliegenden Läden nach etwas zum Mittagessen um.
Blick auf Port-Sainte-Foy-et-Ponchapt und StFoye la Grande
Der Campingplatz ist leicht zu finden und ich bekomme einen schönen Stellplatz für mein Zelt. Ich kann die Terrasse eines leerstehenden Wohncontainers benutzen um meine Ausrüstung zu trocknen und ein bisschen zu lesen.
Sicherheitshalber mache ich noch einen kurzen Ausflug zum Bahnhof. Er ist leicht zu finden. Und nach einer kleinen Runde durch die Stadt, lasse ich den Tag ausklingen.

Zehnter Tag: Rückreise (17.5.23)

Die französische Bahn ist wieder einmal angenehm zuverlässig: St. Foy - Bordeaux - Paris - Karlsruhe und von dort nach Heilbronn. Alles völlig problemlos: Um 9:20 fahre ich gut ausgeschlafen in St. Foy los und bin gegen 18:30 wieder zuhause. Die Füße sehen ziemlich mitgenommen aus, aber in ein paar Tagen wird sich das wieder geben und zurück bleiben nur schöne Erinnerungen.
Es sind jetzt noch gut 1000 Kilometer auf der Voie de Vezelay und dem Camino Francais nach Compostella. Spätestens im übernächsten Jahr werde ich mich für einen der Wege durch Spanien entscheiden müssen.

Montag, 23. Mai 2022

Achte Wanderung 2022: Chateauroux nach Limoges

Achte Wanderung 2022: Von Chateauroux nach Limoges

Die Planung

In diesem Jahr kann es schon Ende April los gehen. Ich habe wieder eine etwas verlängerte Woche zur Verfügung. Das reicht um stressfrei 200 Kilometer zurücklegen können.
Die Fahrkarten habe ich rechtzeitig gekauft: 70 hin und 74 Euro zurück mit dem TGV/ICE nach Paris und weiter mit dem IC nach Chateauroux. Die SNCF-App macht das recht einfach und preiswert. Kein Vergleich zu der erst wenige Jahre zurück liegenden Zeit, als ich bangen musst ob die Tickets per Post  rechtzeitig kämen.
Wieder ein deutlich sichtbares Stück in Richtung Santiago
Für diese Pilgerwanderung habe ich 9 Etappen mit Längen zwischen 10 und knapp 30 Kilometern geplant. Der Startpunkt ist der Bahnhof in Chateauroux, der 2021 das Ende der Wanderung war.

Anreise und erster Wandertag (Freitag, 29. April 2022 5km + 10km)

Mit genügend Zeit zwischen der Ankunft am Bahnhof "Paris Est" und der Abfahrt am "Gare d'Austerlitz" kann ich gleich eine kleine 5km Stadtbesichtigung machen: Centre Pompidou, die Baustelle der Notre Dame und eine Mittagspause im Jardin des Plantes an der Seine.
Bis 2024 sollen die Arbeiten noch dauern
Ich erreiche rechtzeitig meinen Zug nach Chateauroux, wo ich gegen 17h ankomme. Dann sind es noch 10 Kilometer aus Chareauroux heraus über Wald- und Forstwege zu der Wiese, die ich mir als Ort für die erste Übernachtung ausgesucht habe. Als ich bei der Kapelle Notre-Dame-du-Chene ankomme, geht die Sonne schon unter.
Leider geschlossen und in schlechtem Zustand
Hinter einem Gebüsch baue ich mein Zelt auf. Für das Abendessen gibt es einen Picknicktisch und Bänke. Sehr praktisch.
Etwas versteckt

Zweiter Wandertag: nach Argenton-sur-Creuse (Samstag, 30. April 2022 - 27km)

Während des Frühstücks trockne ich Zelt und Schlafsack. Dann geht es zunächst sehr schön durch den noch morgentlich kühlen Wald. Anders als am Abend gibt es weniger Stechmücken. Der Wald liegt auch höher und ist weniger sumpfig.
Waldweg in der Morgenkühle
Der größte Teil der Strecke führt über geteerte Straßen. Dadurch komme ich schnell voran, denn ich möchte noch die Ruinen und das Museum in Saint Marcel anschauen. Der Park mit den Ausgrabungen und Ruinen ist frei zugänglich.

Interessantes Museumsgebäude
Bei den Römern Argentomagus genannt, ist dieser Ort schon seit der Steinzeit bewohnt. An den Hängen der Creuse wurden steinerne Pfeilspitzen und Werkzeuge gefunden.
Nach der Besichtigung des Museums stelle ich mein Zelt auf den Campingplatz und kaufe in Argenton Wasser, da am 1. Mai alle Läden geschlossen sein werden. Natürlich schaue ich mir auch die Reste der römischen Brücke an.
Die römische Brücke war bis in die frühe Neuzeit nutzbar
Hier trafen mehrere Römerstaßen aufeinander um die Creuse zu überqueren. Der Weg durch den langgestreckten Ort zieht sich ziemlich. Ich mache noch einen Umweg, aber leider ist das Tor am Amphitheater schon verschlossen und ich kann nur einen Blick über den Zaun erhaschen.

Dritter Wandertag: Argenton-sur-Creuse nach Eguzon (1. Mai 2022 - 26km)

Das gewohnte Problem des dritten Tages: Die Füße schmerzen. Blasen an den Fußsohlen und Fersen. Das wird jetzt für 2-3 Tage etwas unangenehm sein, dann hat sich das eingelaufen. Aber die Schmerzen wirken sich messbar auf meine Geschwindigkeit aus. Komoot misst nur noch 4.1 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Das Streckenprofil ist heute auch abschnittweise nicht einfach: Es sind verschiedene Wegvarianten ausgeschildert und ich wähle die Strecke entlang der Creuse, was über einige Kilometer sehr schön und problemlos ist. 

Schön, aber nicht einfach zu gehen: Der Aufstieg nach Chatillon

Doch dann versperrt eine Staumauer mit Wasserkraftwerk den Weg und der sparsam ausgeschilderte Jakobsweg schlängelt sich steil durch den Wald hinauf nach Chatillon. Das ist sehr schön und wild romantisch, aber mit dem ca. 16kg schweren Rucksack wäre das bei schlechterem Wetter und rutschigem Untergrund kaum zu schaffen gewesen.
Dafür entschädigt sofort der weitere Wegverlauf und das Highlight des Tages: Gargliesse-Dampierre. 

Wie aus dem Bilderbuch
Es findet gerade eine Benefizwanderung um Gargliesse statt, hinter der Kirche ist eine Versorgungsstation aufgebaut. Ich lege mich zur Mittagspause auf die Wiese hinter der Kirche.

In der Krypta der Notre-Dame
Im weiteren Verlauf komme ich noch mehrfach an Versorgungsstationen der Benefizwanderung vorbei und begegne immer wieder Gruppen von Wanderern. Bis nach Eguzon sind auf abwechslungsreichen Wegen noch ein paar Steigungen zu bewältigen. In Eguzon angekommen finde ich den Campingplatz noch geschlossen. Das niederländische Ehepaar, das den Campingplatz betreibt, ist gerade bei den letzten Vorbereitungen für die Saisoneröffnung und ich kann mir als einziger Gast einen Zeltplatz aussuchen. Die warme Dusche funktioniert schon und ist nach dem recht anstrengenden Tag sehr nötig.

Vierter Wandertag: Eguzon - La-Chapelle-Baloue (Montag, 2. Mai - 19km)

Ich lasse mir am Morgen Zeit. Auf dem Campingplatz kann ich das Zelt gut aufhängen und trocknen. Die Nächte sind noch sehr kalt. Auf der Innenseite der Zeltplane kondensiert der Atem, auf der Außenseite der Tau. Bei um die 3 Grad ist der Schlafsack wie schon im letzten Herbst nicht mehr im Komfortbereich. Um so wichtiger alles ordentlich trocken zu bekommen, damit die Daunen nicht verklumpen.
Highlight der heutigen Tour ist Crozant. Ich nehme mir nicht die Zeit die Ruinen der Festung zu besichtigen. Schon die Aussicht von einer der zahlreichen Bänke, die ich für die Mittagspause wähle ist fantastisch. 
Festungsruinen in Crozant
In und um die Kirche laufen gerade archäologische Ausgrabungen. Überall in den Gräben, die zur Erkundung angelegt wurden kommen Fundamente zum Vorschein. In ein paar Jahren könnte das nochmals einen Besuch wert sein. Um den Ort herum und entlang des kleineren Flüsschens Sedelle gibt es seht schön gepflegte Wege, Wiesen und Picknickplätze. 

Selfie
Eigentlich sah mein Plan vor in der privat geführten Pilgerherberge in La-Chapelle-Baloue zu übernachten. Ich finde die Herberge, aber niemand ist dort. Egal. Ich habe noch Wasser, Brot und Käse und finde einige Kilometer weiter ein ruhiges Plätzchen hinter einer Hecke auf einer Weide unweit eines kleinen Wäldchens.
Ein unauffälliges, ruhiges Plätzchen für die Nacht

Fünfter Wandertag: La-Chapelle-Baloue nach Saint-Priest (Dienstag, 3. Mai 2022 - 23km)

In aller Frühe packe ich meine Ausrüstung zusammen. Alles ist sehr nass vom Tau, aber das werde ich später trocknen. Nun erst mal los: Es stehen 23 Kilometer auf dem Plan und ich möchte etwas Zeit in La Souterraine haben um die Kirche anzuschauen.
Auf unterschiedlichen Untergründen geht es flott und leicht voran. In der dünn besiedelten Gegend ist es fast überall schön.
Bei "Le Paddock"
Gegen Mittag erreiche ich La Souterraine, wo ich zwei Pilgern aus den Niederlanden und einer Fahrradpilgerin begegne. Doch die Enttäuschung ist bei allen groß: Die Krypta der Kirche ist gerade eine Baustelle und nicht zugänglich. ( Wikipedia Artikel dazu )
Ich raste etwas vor der Kirche und mache einen Umweg zum Supermarkt um Wasser, Brot, Käse und eine kleine Dose Rilettes zu kaufen, die ich gleich zur Hälfte zum Mittagessen verzehre. Dann mache ich mich wieder auf den Weg.
Recht schnell erreiche ich das heutige Ziel: den kleinen Ort Saint-Priest-la-Feuille. Einen knappen Kilometer außerhalb steht ein gut erhaltener Dolmen, der mir als Unterschlupf für die Nacht dienen soll.
In der Nachmittagssonne trocknet mein von der letzten Nacht noch nasses Zelt sehr schnell. Ich werde es heute nicht brauchen.
Heute ohne Zelt
Ein leichter Regenschauer in der Nacht bleibt fast unbemerkt und es wird auch nicht kalt, da die Steine sich den ganzen Tag in der Sonne aufgeheizt hatten und über die Nacht hinweg warm bleiben.

Sechster Wandertag: Saint-Priest nach Saint-Goussaud (Mittwoch, 4. Mai 2022 - 31km)

Ohne Zelt ist am Morgen die Ausrüstung viel schneller gepackt. Kurz nach 7 Uhr bin ich fertig, denn heute ist die mit 30 Kilometern längste und auch steilste Etappe des Jahres geplant. Das wird dann der höchstgelegene Punkt auf der Voie de Vezelay sein. Erst in den Pyrenäen geht es wieder so weit hinauf.
Dolmen von Saint-Priest-la-Feuille bei Sonnenaufgang
Zunächst geht es sanft von Saint-Priest-la-Feuille bergab und relativ flach in den Niederungen weiter. Bei Chamborand an der Kirche mache ich eine kurze Pause und schaue mir die einfache Dorfkirche an. Benevent l'Abbaye ist etwa auf halber Strecke gelegen und hat da schon mehr zu bieten: Einen sehr aufgeräumten Park, eine schön renovierte Kirche und einen Laden für Wasser & Brot.
Nach Marsac wird es dann richtig schön: ganz kleine Sträßchen und Waldwege, die allerdings etwas widersprüchlich ausgeschildert sind führen in den kleinen Flecken l'Abbaye, wo gerade kräftig renoviert wird. Danach geht es auf einem kleinen Wanderweg recht steil nach Saint Goussaud.
Saint Goussaud ist erreicht. Für mich geht es aber noch ein Stück weiter
An der Totenlaterne vorbei erreiche ich die Kirche. Erstmals sehe ich einen Hinweis, daß Pilger nicht in der Kirche übernachten dürfen. Vermutlich versteckt sich auch hinter diesem Hinweisschild eine Geschichte. Und in diesem Fall keine schöne.
Die Pilgerherberge beim Rathaus ist geschlossen, aber das spielt keine Rolle: Das Wetter ist gut und meinem Plan beim römischen Theater im Wald zu übernachten steht nichts im Weg. Anstatt dem Jakobsweg auf der D48 zu folgen, gehe ich die D57 entlang bis zum Wegweiser zu den römischen Ausgrabungen. Dort geht es noch ein Stück bergan und ich erreiche einen idealen Platz zum Camping.
Hier kämpfte wohl niemand mit Löwen
Die Fundamente des Tempelbezirks auf einer etwas tiefer gelegenen Ebene sind für mich nicht von den Resten der mittelalterlichen Weide- und Feldmauern zu unterscheiden. Ein paar Schilder zur Erklärung hätten mit hier gut gefallen.
Nach einem kurzen Regenschauer baue ich mein Zelt auf und setze mich zum Abendessen in die Ränge des Theaters. Die Nacht ist herrlich ruhig und nicht zu kalt.

Siebter Wandertag: Saint Goussaud - Campingplatz nach Les Billanges (Donnerstag, 5. Mai 2022 - 21km)

Auf schönen, alten Waldwegen finde ich eine tolle Route, die mich auf den Jakosbweg zurück führt.
In Chatelus-le-Marcheix hat das Dorfcafe geöffnet. Es scheint das Herz des kleinen Ortes zu sein. Während ich meinen Milchkaffee schlürfe (das Auto mit den Croissaints war leider heute noch nicht da) kommen und gehen die Dorfbewohner und tauschen sich aus.
Es gibt eine Auswahl an Vorräten zu kaufen. Prima, weil das Wasser schon wieder knapp wird.
Kreuz am Wegrand
Etwas später treffe ich auf zwei Pilgerinnen: Anne und Shirley. Anne ist aus Deutschland, Shirley Französin. Wir haben heute das selbe Ziel: den "Camping au Pont du Dognon". Die beiden buchen ein kleines Häuschen, das nur unwesentlich mehr kostet als der Stellplatz für mein Zelt.
Die Dusche auf dem Camping ist warm und hat einen kräftigen Strahl. Das ist gut so, denn über die Tage hat sich eine unangenehme Schicht aus Schweiß, Dreck und Sonnencreme gebildet. In der Nacht kühlt es auf ca 5 Grad ab. In meinem leichten Schlafsack gerade noch ok.

Achter Wandertag: Les Billanges - Saint Leonard de Noblat (Freitag, 6. Mai 2022 - 17km)

Anne und Shirley haben ihre Rucksäcke schon gepackt und bieten einen Kaffee an. Den lasse ich mir nicht entgehen. Ich brauche dann noch etwas Zeit meine Sachen ordentlich zu packen und ziehe etwas später los.

Zunächst ein kurzes Stück entlang des Flüsschens Taurion. Auf der Brücke treffe ich ein französisches Pilgerpaar. Auch ihr Ziel ist heute Saint Leonart de Noblat. Auf der anderen Flussseite geht es dann über eine Hochebene mit Feldern und Wäldern.
Besteck und Scharniere
An einem schön renovierten Landgut plötzlich ein größeres Zusammentreffen: Anne und Shirley fotografieren. Ein französischer Pilger wird genau dort mit dem Auto abgesetzt. Frisch gewaschen und gebügelt. Ich hatte ihn gestern schon kurz getroffen und ein paar Worte mit ihm gewechselt.
Die Etappe ist kurz und schon am frühen Nachmittag erreiche ich Saint Leonard de Noblat. Shirley hatte für mich einen Platz in der Pilgerherberge gebucht und zufällig treffen wir alle fast zeitgleich wieder bei der Tourist-Info zusammen. Kurz die Sachen in der Herberge untergestellt und dann erst mal gemeinsam Eisessen gehen.
Lost Place Charme
Die Pilgerherberge ist super ausgestattet: Duschen, Küche, drei Zimmer. Das französische Ehepaar, das ich auf der Brücke getroffen hatte nimmt ein Zimmer, Shirley und Anne das andere und ich habe ein Vierbettzimmer ganz für mich alleine. Ich gehe noch einkaufen: Wasser/Brot/Käse und schaue mir die Reliquien und das Grab des heiligen Leonard an. Die Kirche ist sehenswert. Zurück in der Herberge stellt sich die Frage nach dem Abendessen: wir gehen zur Pizzeria. Offenbar der einzigen am Ort. Aber die knapp 1,5 Stunden Wartezeit lohnen sich: Entweder ist die Pizza sehr gut, oder ich bin sehr hungrig. Möglicherweise auch beides.
Danach ab in den Schlafsack. Die Betten überzieht man hier mit dem bereitgelegten Papiervlies. Schlafen ohne zu frieren ist auch mal nett.

Neunter Wandertag: Saint Leonard - Limoges (Samstag, 7. Mai 2022 - 24km)

Am Morgen schmieden alle Pläne für den Tag: Anne und Shirley wollen mit dem Bus abkürzen, das französische Ehepaar lässt sich noch Zeit bis zum Aufbruch. 
Was für ein toller, letzter Wandertag! Die Luft ist klar und kühl. Die Füße sind super eingelaufen und die Landschaft ist grandios.
Eisenbahnbrücke bei St. Leonard
Zunächst ein kleines Stück an der Straße entlang, zweigt der Weg bald in einen kleinen Feldweg ab. Ich lasse mir Zeit. Es ist überall schön. Ich buche telefonisch für die Nacht einen Platz im Hotel in Limoges (Ibis Budget). Die Pilgerherberge scheint wegen Renovierung geschlossen zu sein.

So pilgert man gerne



Auf den Weiden entweder Kühe, Schafe, Ziegen oder Pferde
Im Wald dann ein klarer See. Ich bleibe eine Weile dort für ein zweites Frühstück und ein paar Fotos. Hier kann man es aushalten! Am anderen Seeufer steht eine Schutzhütte und eine Bank. Auch das wäre ein schöner Platz für die Nacht gewesen.

Schönster Rastplatz heute
Obwohl es lange nicht mehr geregnet hat, sind die Hohlwege sehr matschig. Ich habe die leichten Schuhe an und vermeide den Masch bestmöglich. Die Kühle der von Bäumen gesäumten Hohlwege macht das aber zum Vergnügen.

Bach oder Weg?
Kein großes Vergnügen hingegen ist der Weg in die Stadt hinein. Es geht lange an der Straße entlang, glücklicherweise ist der Randstreifen gemäht. Nahe der Altstadt wird es wieder schöner: Am Ufer der Vienne gibt es einen Park, Bänke und eine alte Brücke. Von dort geht es hinauf zur Kathedrale.
Kathedrale von Limoges
Wieder, wie schon in Bourges erlebt, berührt mich das Bauwerk nicht besonders. Nüchtern, steril trotz gotischer Finessen. Manche kleine, dreckige Dorfkirche, die ich in diesem Jahr besuchen durfte war ansprechender und erzählte mehr vom Leben der Gemeinden.
Das Hotel ist für den günstigen Preis ok und liegt in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Ich stelle meine Sachen dort ab und mache mich auf den Weg die Einkäufe für die Mitbringsel zu erledigen.

Rückfahrt: Sonntag 8. Mai 2022

Das Frühstück im Hotel ist nach einer Woche Pilgerschaft eine tolle Sache. Aber gar zu lange möchte ich mich da nicht aufhalten. Ich habe noch Zeit den Sonntagvormittag in Limoges zu verbringen. Raus aus dem Hotel, möchte ich mir erst mal den Bahnhof anschauen. Ein Ruf "Hallo Andy!"´- Nanu, wer kennt mich hier? Shirley und Anne hatten auch gerade aus ihrem Hotel in Bahnhofsnähe ausgecheckt.
Schicker Bahnhof
Wir gehen in die Altstadt, um noch einmal die Kathedrale zu besuchen. Auf dem Vorplatz ein großer Flohmarkt. Hier gibt es Kuriositäten aller Art. Sicher ist in all den halbverfallenen Häusern und Scheunen, die es im Limousin überall gibt so allerhand zu finden.
Morgensonne in der Kathedrale
Im Botanischen Garten hinter der Kathedrale nehme ich ein vorgezogenes Mittagessen zu mir. Das sollte bis Paris halten. Es gibt Bänke im Schatten und an diesem Sonntagvormittag sehr wenig Leute.
Botanischer Garten Limoges
Jetzt aber los zum Bahnhof. Um 5 nach 12 fährt der Zug. Der IC von Limoges nach Paris ist komplett ausgebucht. Der Zug ist fast pünktlich. Ich habe in Paris etwas mehr als eine halbe Stunde um vom Bahnhof Austerlitz zum Gare de l'est zu kommen. Das passt genau, da die Metro Linie 5 in kurzen Abständen fährt und keine Schlange am Fahrkartenautomaten ist. Rechtzeitig zum Boarding erreiche ich den Bahnhof. Beim nächsten Mal muss ich da etwas mehr Zeit einplanen. Das war mir zu knapp.
Die Rückfahrt im TGV nach Karlsruhe ist reibungslos und sehr bequem. Dann noch in die Stadtbahn und ich bin gegen 20:30 wieder bei der Familie.