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Montag, 23. Mai 2022

Achte Wanderung 2022: Chateauroux nach Limoges

Achte Wanderung 2022: Von Chateauroux nach Limoges

Die Planung

In diesem Jahr kann es schon Ende April los gehen. Ich habe wieder eine etwas verlängerte Woche zur Verfügung. Das reicht um stressfrei 200 Kilometer zurücklegen können.
Die Fahrkarten habe ich rechtzeitig gekauft: 70 hin und 74 Euro zurück mit dem TGV/ICE nach Paris und weiter mit dem IC nach Chateauroux. Die SNCF-App macht das recht einfach und preiswert. Kein Vergleich zu der erst wenige Jahre zurück liegenden Zeit, als ich bangen musst ob die Tickets per Post  rechtzeitig kämen.
Wieder ein deutlich sichtbares Stück in Richtung Santiago
Für diese Pilgerwanderung habe ich 9 Etappen mit Längen zwischen 10 und knapp 30 Kilometern geplant. Der Startpunkt ist der Bahnhof in Chateauroux, der 2021 das Ende der Wanderung war.

Anreise und erster Wandertag (Freitag, 29. April 2022 5km + 10km)

Mit genügend Zeit zwischen der Ankunft am Bahnhof "Paris Est" und der Abfahrt am "Gare d'Austerlitz" kann ich gleich eine kleine 5km Stadtbesichtigung machen: Centre Pompidou, die Baustelle der Notre Dame und eine Mittagspause im Jardin des Plantes an der Seine.
Bis 2024 sollen die Arbeiten noch dauern
Ich erreiche rechtzeitig meinen Zug nach Chateauroux, wo ich gegen 17h ankomme. Dann sind es noch 10 Kilometer aus Chareauroux heraus über Wald- und Forstwege zu der Wiese, die ich mir als Ort für die erste Übernachtung ausgesucht habe. Als ich bei der Kapelle Notre-Dame-du-Chene ankomme, geht die Sonne schon unter.
Leider geschlossen und in schlechtem Zustand
Hinter einem Gebüsch baue ich mein Zelt auf. Für das Abendessen gibt es einen Picknicktisch und Bänke. Sehr praktisch.
Etwas versteckt

Zweiter Wandertag: nach Argenton-sur-Creuse (Samstag, 30. April 2022 - 27km)

Während des Frühstücks trockne ich Zelt und Schlafsack. Dann geht es zunächst sehr schön durch den noch morgentlich kühlen Wald. Anders als am Abend gibt es weniger Stechmücken. Der Wald liegt auch höher und ist weniger sumpfig.
Waldweg in der Morgenkühle
Der größte Teil der Strecke führt über geteerte Straßen. Dadurch komme ich schnell voran, denn ich möchte noch die Ruinen und das Museum in Saint Marcel anschauen. Der Park mit den Ausgrabungen und Ruinen ist frei zugänglich.

Interessantes Museumsgebäude
Bei den Römern Argentomagus genannt, ist dieser Ort schon seit der Steinzeit bewohnt. An den Hängen der Creuse wurden steinerne Pfeilspitzen und Werkzeuge gefunden.
Nach der Besichtigung des Museums stelle ich mein Zelt auf den Campingplatz und kaufe in Argenton Wasser, da am 1. Mai alle Läden geschlossen sein werden. Natürlich schaue ich mir auch die Reste der römischen Brücke an.
Die römische Brücke war bis in die frühe Neuzeit nutzbar
Hier trafen mehrere Römerstaßen aufeinander um die Creuse zu überqueren. Der Weg durch den langgestreckten Ort zieht sich ziemlich. Ich mache noch einen Umweg, aber leider ist das Tor am Amphitheater schon verschlossen und ich kann nur einen Blick über den Zaun erhaschen.

Dritter Wandertag: Argenton-sur-Creuse nach Eguzon (1. Mai 2022 - 26km)

Das gewohnte Problem des dritten Tages: Die Füße schmerzen. Blasen an den Fußsohlen und Fersen. Das wird jetzt für 2-3 Tage etwas unangenehm sein, dann hat sich das eingelaufen. Aber die Schmerzen wirken sich messbar auf meine Geschwindigkeit aus. Komoot misst nur noch 4.1 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Das Streckenprofil ist heute auch abschnittweise nicht einfach: Es sind verschiedene Wegvarianten ausgeschildert und ich wähle die Strecke entlang der Creuse, was über einige Kilometer sehr schön und problemlos ist. 

Schön, aber nicht einfach zu gehen: Der Aufstieg nach Chatillon

Doch dann versperrt eine Staumauer mit Wasserkraftwerk den Weg und der sparsam ausgeschilderte Jakobsweg schlängelt sich steil durch den Wald hinauf nach Chatillon. Das ist sehr schön und wild romantisch, aber mit dem ca. 16kg schweren Rucksack wäre das bei schlechterem Wetter und rutschigem Untergrund kaum zu schaffen gewesen.
Dafür entschädigt sofort der weitere Wegverlauf und das Highlight des Tages: Gargliesse-Dampierre. 

Wie aus dem Bilderbuch
Es findet gerade eine Benefizwanderung um Gargliesse statt, hinter der Kirche ist eine Versorgungsstation aufgebaut. Ich lege mich zur Mittagspause auf die Wiese hinter der Kirche.

In der Krypta der Notre-Dame
Im weiteren Verlauf komme ich noch mehrfach an Versorgungsstationen der Benefizwanderung vorbei und begegne immer wieder Gruppen von Wanderern. Bis nach Eguzon sind auf abwechslungsreichen Wegen noch ein paar Steigungen zu bewältigen. In Eguzon angekommen finde ich den Campingplatz noch geschlossen. Das niederländische Ehepaar, das den Campingplatz betreibt, ist gerade bei den letzten Vorbereitungen für die Saisoneröffnung und ich kann mir als einziger Gast einen Zeltplatz aussuchen. Die warme Dusche funktioniert schon und ist nach dem recht anstrengenden Tag sehr nötig.

Vierter Wandertag: Eguzon - La-Chapelle-Baloue (Montag, 2. Mai - 19km)

Ich lasse mir am Morgen Zeit. Auf dem Campingplatz kann ich das Zelt gut aufhängen und trocknen. Die Nächte sind noch sehr kalt. Auf der Innenseite der Zeltplane kondensiert der Atem, auf der Außenseite der Tau. Bei um die 3 Grad ist der Schlafsack wie schon im letzten Herbst nicht mehr im Komfortbereich. Um so wichtiger alles ordentlich trocken zu bekommen, damit die Daunen nicht verklumpen.
Highlight der heutigen Tour ist Crozant. Ich nehme mir nicht die Zeit die Ruinen der Festung zu besichtigen. Schon die Aussicht von einer der zahlreichen Bänke, die ich für die Mittagspause wähle ist fantastisch. 
Festungsruinen in Crozant
In und um die Kirche laufen gerade archäologische Ausgrabungen. Überall in den Gräben, die zur Erkundung angelegt wurden kommen Fundamente zum Vorschein. In ein paar Jahren könnte das nochmals einen Besuch wert sein. Um den Ort herum und entlang des kleineren Flüsschens Sedelle gibt es seht schön gepflegte Wege, Wiesen und Picknickplätze. 

Selfie
Eigentlich sah mein Plan vor in der privat geführten Pilgerherberge in La-Chapelle-Baloue zu übernachten. Ich finde die Herberge, aber niemand ist dort. Egal. Ich habe noch Wasser, Brot und Käse und finde einige Kilometer weiter ein ruhiges Plätzchen hinter einer Hecke auf einer Weide unweit eines kleinen Wäldchens.
Ein unauffälliges, ruhiges Plätzchen für die Nacht

Fünfter Wandertag: La-Chapelle-Baloue nach Saint-Priest (Dienstag, 3. Mai 2022 - 23km)

In aller Frühe packe ich meine Ausrüstung zusammen. Alles ist sehr nass vom Tau, aber das werde ich später trocknen. Nun erst mal los: Es stehen 23 Kilometer auf dem Plan und ich möchte etwas Zeit in La Souterraine haben um die Kirche anzuschauen.
Auf unterschiedlichen Untergründen geht es flott und leicht voran. In der dünn besiedelten Gegend ist es fast überall schön.
Bei "Le Paddock"
Gegen Mittag erreiche ich La Souterraine, wo ich zwei Pilgern aus den Niederlanden und einer Fahrradpilgerin begegne. Doch die Enttäuschung ist bei allen groß: Die Krypta der Kirche ist gerade eine Baustelle und nicht zugänglich. ( Wikipedia Artikel dazu )
Ich raste etwas vor der Kirche und mache einen Umweg zum Supermarkt um Wasser, Brot, Käse und eine kleine Dose Rilettes zu kaufen, die ich gleich zur Hälfte zum Mittagessen verzehre. Dann mache ich mich wieder auf den Weg.
Recht schnell erreiche ich das heutige Ziel: den kleinen Ort Saint-Priest-la-Feuille. Einen knappen Kilometer außerhalb steht ein gut erhaltener Dolmen, der mir als Unterschlupf für die Nacht dienen soll.
In der Nachmittagssonne trocknet mein von der letzten Nacht noch nasses Zelt sehr schnell. Ich werde es heute nicht brauchen.
Heute ohne Zelt
Ein leichter Regenschauer in der Nacht bleibt fast unbemerkt und es wird auch nicht kalt, da die Steine sich den ganzen Tag in der Sonne aufgeheizt hatten und über die Nacht hinweg warm bleiben.

Sechster Wandertag: Saint-Priest nach Saint-Goussaud (Mittwoch, 4. Mai 2022 - 31km)

Ohne Zelt ist am Morgen die Ausrüstung viel schneller gepackt. Kurz nach 7 Uhr bin ich fertig, denn heute ist die mit 30 Kilometern längste und auch steilste Etappe des Jahres geplant. Das wird dann der höchstgelegene Punkt auf der Voie de Vezelay sein. Erst in den Pyrenäen geht es wieder so weit hinauf.
Dolmen von Saint-Priest-la-Feuille bei Sonnenaufgang
Zunächst geht es sanft von Saint-Priest-la-Feuille bergab und relativ flach in den Niederungen weiter. Bei Chamborand an der Kirche mache ich eine kurze Pause und schaue mir die einfache Dorfkirche an. Benevent l'Abbaye ist etwa auf halber Strecke gelegen und hat da schon mehr zu bieten: Einen sehr aufgeräumten Park, eine schön renovierte Kirche und einen Laden für Wasser & Brot.
Nach Marsac wird es dann richtig schön: ganz kleine Sträßchen und Waldwege, die allerdings etwas widersprüchlich ausgeschildert sind führen in den kleinen Flecken l'Abbaye, wo gerade kräftig renoviert wird. Danach geht es auf einem kleinen Wanderweg recht steil nach Saint Goussaud.
Saint Goussaud ist erreicht. Für mich geht es aber noch ein Stück weiter
An der Totenlaterne vorbei erreiche ich die Kirche. Erstmals sehe ich einen Hinweis, daß Pilger nicht in der Kirche übernachten dürfen. Vermutlich versteckt sich auch hinter diesem Hinweisschild eine Geschichte. Und in diesem Fall keine schöne.
Die Pilgerherberge beim Rathaus ist geschlossen, aber das spielt keine Rolle: Das Wetter ist gut und meinem Plan beim römischen Theater im Wald zu übernachten steht nichts im Weg. Anstatt dem Jakobsweg auf der D48 zu folgen, gehe ich die D57 entlang bis zum Wegweiser zu den römischen Ausgrabungen. Dort geht es noch ein Stück bergan und ich erreiche einen idealen Platz zum Camping.
Hier kämpfte wohl niemand mit Löwen
Die Fundamente des Tempelbezirks auf einer etwas tiefer gelegenen Ebene sind für mich nicht von den Resten der mittelalterlichen Weide- und Feldmauern zu unterscheiden. Ein paar Schilder zur Erklärung hätten mit hier gut gefallen.
Nach einem kurzen Regenschauer baue ich mein Zelt auf und setze mich zum Abendessen in die Ränge des Theaters. Die Nacht ist herrlich ruhig und nicht zu kalt.

Siebter Wandertag: Saint Goussaud - Campingplatz nach Les Billanges (Donnerstag, 5. Mai 2022 - 21km)

Auf schönen, alten Waldwegen finde ich eine tolle Route, die mich auf den Jakosbweg zurück führt.
In Chatelus-le-Marcheix hat das Dorfcafe geöffnet. Es scheint das Herz des kleinen Ortes zu sein. Während ich meinen Milchkaffee schlürfe (das Auto mit den Croissaints war leider heute noch nicht da) kommen und gehen die Dorfbewohner und tauschen sich aus.
Es gibt eine Auswahl an Vorräten zu kaufen. Prima, weil das Wasser schon wieder knapp wird.
Kreuz am Wegrand
Etwas später treffe ich auf zwei Pilgerinnen: Anne und Shirley. Anne ist aus Deutschland, Shirley Französin. Wir haben heute das selbe Ziel: den "Camping au Pont du Dognon". Die beiden buchen ein kleines Häuschen, das nur unwesentlich mehr kostet als der Stellplatz für mein Zelt.
Die Dusche auf dem Camping ist warm und hat einen kräftigen Strahl. Das ist gut so, denn über die Tage hat sich eine unangenehme Schicht aus Schweiß, Dreck und Sonnencreme gebildet. In der Nacht kühlt es auf ca 5 Grad ab. In meinem leichten Schlafsack gerade noch ok.

Achter Wandertag: Les Billanges - Saint Leonard de Noblat (Freitag, 6. Mai 2022 - 17km)

Anne und Shirley haben ihre Rucksäcke schon gepackt und bieten einen Kaffee an. Den lasse ich mir nicht entgehen. Ich brauche dann noch etwas Zeit meine Sachen ordentlich zu packen und ziehe etwas später los.

Zunächst ein kurzes Stück entlang des Flüsschens Taurion. Auf der Brücke treffe ich ein französisches Pilgerpaar. Auch ihr Ziel ist heute Saint Leonart de Noblat. Auf der anderen Flussseite geht es dann über eine Hochebene mit Feldern und Wäldern.
Besteck und Scharniere
An einem schön renovierten Landgut plötzlich ein größeres Zusammentreffen: Anne und Shirley fotografieren. Ein französischer Pilger wird genau dort mit dem Auto abgesetzt. Frisch gewaschen und gebügelt. Ich hatte ihn gestern schon kurz getroffen und ein paar Worte mit ihm gewechselt.
Die Etappe ist kurz und schon am frühen Nachmittag erreiche ich Saint Leonard de Noblat. Shirley hatte für mich einen Platz in der Pilgerherberge gebucht und zufällig treffen wir alle fast zeitgleich wieder bei der Tourist-Info zusammen. Kurz die Sachen in der Herberge untergestellt und dann erst mal gemeinsam Eisessen gehen.
Lost Place Charme
Die Pilgerherberge ist super ausgestattet: Duschen, Küche, drei Zimmer. Das französische Ehepaar, das ich auf der Brücke getroffen hatte nimmt ein Zimmer, Shirley und Anne das andere und ich habe ein Vierbettzimmer ganz für mich alleine. Ich gehe noch einkaufen: Wasser/Brot/Käse und schaue mir die Reliquien und das Grab des heiligen Leonard an. Die Kirche ist sehenswert. Zurück in der Herberge stellt sich die Frage nach dem Abendessen: wir gehen zur Pizzeria. Offenbar der einzigen am Ort. Aber die knapp 1,5 Stunden Wartezeit lohnen sich: Entweder ist die Pizza sehr gut, oder ich bin sehr hungrig. Möglicherweise auch beides.
Danach ab in den Schlafsack. Die Betten überzieht man hier mit dem bereitgelegten Papiervlies. Schlafen ohne zu frieren ist auch mal nett.

Neunter Wandertag: Saint Leonard - Limoges (Samstag, 7. Mai 2022 - 24km)

Am Morgen schmieden alle Pläne für den Tag: Anne und Shirley wollen mit dem Bus abkürzen, das französische Ehepaar lässt sich noch Zeit bis zum Aufbruch. 
Was für ein toller, letzter Wandertag! Die Luft ist klar und kühl. Die Füße sind super eingelaufen und die Landschaft ist grandios.
Eisenbahnbrücke bei St. Leonard
Zunächst ein kleines Stück an der Straße entlang, zweigt der Weg bald in einen kleinen Feldweg ab. Ich lasse mir Zeit. Es ist überall schön. Ich buche telefonisch für die Nacht einen Platz im Hotel in Limoges (Ibis Budget). Die Pilgerherberge scheint wegen Renovierung geschlossen zu sein.

So pilgert man gerne



Auf den Weiden entweder Kühe, Schafe, Ziegen oder Pferde
Im Wald dann ein klarer See. Ich bleibe eine Weile dort für ein zweites Frühstück und ein paar Fotos. Hier kann man es aushalten! Am anderen Seeufer steht eine Schutzhütte und eine Bank. Auch das wäre ein schöner Platz für die Nacht gewesen.

Schönster Rastplatz heute
Obwohl es lange nicht mehr geregnet hat, sind die Hohlwege sehr matschig. Ich habe die leichten Schuhe an und vermeide den Masch bestmöglich. Die Kühle der von Bäumen gesäumten Hohlwege macht das aber zum Vergnügen.

Bach oder Weg?
Kein großes Vergnügen hingegen ist der Weg in die Stadt hinein. Es geht lange an der Straße entlang, glücklicherweise ist der Randstreifen gemäht. Nahe der Altstadt wird es wieder schöner: Am Ufer der Vienne gibt es einen Park, Bänke und eine alte Brücke. Von dort geht es hinauf zur Kathedrale.
Kathedrale von Limoges
Wieder, wie schon in Bourges erlebt, berührt mich das Bauwerk nicht besonders. Nüchtern, steril trotz gotischer Finessen. Manche kleine, dreckige Dorfkirche, die ich in diesem Jahr besuchen durfte war ansprechender und erzählte mehr vom Leben der Gemeinden.
Das Hotel ist für den günstigen Preis ok und liegt in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Ich stelle meine Sachen dort ab und mache mich auf den Weg die Einkäufe für die Mitbringsel zu erledigen.

Rückfahrt: Sonntag 8. Mai 2022

Das Frühstück im Hotel ist nach einer Woche Pilgerschaft eine tolle Sache. Aber gar zu lange möchte ich mich da nicht aufhalten. Ich habe noch Zeit den Sonntagvormittag in Limoges zu verbringen. Raus aus dem Hotel, möchte ich mir erst mal den Bahnhof anschauen. Ein Ruf "Hallo Andy!"´- Nanu, wer kennt mich hier? Shirley und Anne hatten auch gerade aus ihrem Hotel in Bahnhofsnähe ausgecheckt.
Schicker Bahnhof
Wir gehen in die Altstadt, um noch einmal die Kathedrale zu besuchen. Auf dem Vorplatz ein großer Flohmarkt. Hier gibt es Kuriositäten aller Art. Sicher ist in all den halbverfallenen Häusern und Scheunen, die es im Limousin überall gibt so allerhand zu finden.
Morgensonne in der Kathedrale
Im Botanischen Garten hinter der Kathedrale nehme ich ein vorgezogenes Mittagessen zu mir. Das sollte bis Paris halten. Es gibt Bänke im Schatten und an diesem Sonntagvormittag sehr wenig Leute.
Botanischer Garten Limoges
Jetzt aber los zum Bahnhof. Um 5 nach 12 fährt der Zug. Der IC von Limoges nach Paris ist komplett ausgebucht. Der Zug ist fast pünktlich. Ich habe in Paris etwas mehr als eine halbe Stunde um vom Bahnhof Austerlitz zum Gare de l'est zu kommen. Das passt genau, da die Metro Linie 5 in kurzen Abständen fährt und keine Schlange am Fahrkartenautomaten ist. Rechtzeitig zum Boarding erreiche ich den Bahnhof. Beim nächsten Mal muss ich da etwas mehr Zeit einplanen. Das war mir zu knapp.
Die Rückfahrt im TGV nach Karlsruhe ist reibungslos und sehr bequem. Dann noch in die Stadtbahn und ich bin gegen 20:30 wieder bei der Familie.

Mittwoch, 4. Juli 2018

Ausrüstung für den Jakobsweg

Meine Ausrüstung

Alles was über Wasser und Lebensmittel hinaus geht, trägt man während der ganzen Wanderung mit sich herum. Man wird des unnötigen Krams im Rucksack schnell überdrüssig und so wurde mein Rucksack mit den Jahren immer leichter.
Hat man das nötige Kleingeld parat, kann man sich eine komplette Trekkingausrüstung mit unter 10kg zusammen stellen. Mit meinem Material komme ich auf ca 16kg, was für mich (regelmäßiger Läufer, 192cm groß) noch akzeptabel ist.

Mein Rucksack

Die Prioritäten

Drei Dinge sind in dieser Reihenfolge bei langen Wanderungen wichtig:
  • Wasser
  • Essen
  • Schafen
alles andere lässt sich improvisieren. An 3 Litern Wasser trägt man recht schwer. Essen ist da schon wesentlich einfacher, da es weniger Volumen als Wasser benötigt. Für mich funktionieren Vollkorn-Brote oder Pumpernickel super. Das Hungergefühl reguliert sich auf den langen Wanderungen sehr gut. Vorräte für 3-4 Tage sind nicht sehr voluminös.
Schlafen ist vor allem eine Preisfrage. Wer sich 50-100€ pro Nacht leisten möchte, der hat kaum Probleme jede Nacht unter einem festen Dach zu verbringen. Die einfachen Herbergen mit 20-30€ waren bis Joinville eher dünn gesät. Daher schlafe ich bevorzugt unter freiem Himmel, möglichst im Wald. Dazu finden sich auch Tipps im Blog verteilt.

Wasser

Ich transportiere mein Wasser in drei 1-Liter PET-Flaschen, von denen ich zwei in die Seitentaschen und eine im Rucksack mitführe. Diese Flaschen stecken bei mir sehr fest in den Seitentaschen. Daher habe ich ein 0.33 oder 0.5 Liter Fläschchen zusätzlich an einem billigen, kleinen Halter. Das Fläschchen muss allerdings gegen störendes Herumbaumeln gesichert werden.
In Deutschland ist es relativ leicht an gutes Trinkwasser zu kommen. In den dünn besiedelten Gegenden Frankreichs wird das aber sehr schnell zu einem großen Thema. Zumal das Oberflächenwasser dort auch nicht wirklich vertrauenerweckend wirkt. Bei Touren im Schwarzwald oder im Gebirge ist das einfacher.
Wenn es sehr kalt ist und die Temperatur des mitgeführten Trinkwassers sich dem Gefrierpunkt annähert, neige ich dazu zu wenig zu trinken. Die Folgen können sehr unangenehm sein.
Tipp: Trinkwasser findet man oft an den Übernachtungsplätzen für Wohnmobile.

Essen

Ich brauche erstaunlich wenig Essen auf meinen Wanderungen. Kocher und Geschirr habe ich mittlerweile zur Gewichtsersparnis weg gelassen. An Brot und Käse kommt man in Frankreich leicht. Aus Deutschland nehme ich einen kleinen Vorrat gehaltvoller Vollkornwecken mit, die für einige Tage reichen.

Rucksack

Mein Lowe Alpamayo 70+20 ist schon locker 20 Jahre alt und entspricht vermutlich nicht der neuesten Trekkingmode. Dafür ist er super stabil und es passt locker alles rein was ich brauche.
Da der Rucksack schon lange nicht mehr wasserdicht ist, gehört der Regenschutz mit zur Ausrüstung.
Auch im Rucksack ist vieles wasserdicht verpackt. Dazu reichen schon einfache Plastiktüten.
Den +20 Auszug brauche ich selten. Momentan werden Rucksäcke mit 65 (+20) Litern angeboten, das sollte ideal sein.

Stöcke

Es mag sein, daß Stöcke den Laufstil versauen, wie ich es vor Jahren von einem Bergführer gehört habe. Wenn ich mal 30km abgespult habe und die Füße schmerzen, interessiert mich so etwas wie Stil nicht.
Ich laufe mit sehr alten Leki Makalus. Carbon habe ich mir angesehen, habe aber Bedenken, weil sie angeblich bei Scherbelastungen brechen können. (Update: Für meine Körpergröße passend habe ich mir im Spätsommer 2019 die Leki Micro Vario Carbon Strong gekauft. - Ich werde berichten  Die Carbon-Stöcke sind super.)
Ich empfinde die Stöcke sowohl bergauf, als auch bergab als Erleichterung. Meine Knie werden spürbar geschont.

Schlafen

Bei sommerlichen Temperaturen ist das Schlafen unter freiem Himmel angenehm, wenn ein paar Voraussetzungen stimmen:
  • Der Schlafplatz muss eben sein. Der Schlafsack rutscht schon bei moderatem Gefälle auf der Isomatte abwärts und man ist die ganze Nacht damit beschäftigt wieder bergauf zu robben.
  • Einigermaßen frei von Stocken und Steinen, die das Liegen unangenehm machen.
  • Frei von Schnecken und Stechmücken (Lässt sich nicht immer sicherstellen. Schnecken im Schlafsack sind eine ziemliche Sauerei.)
  • Entfernt von stark frequentierten Grillstellen oder den örtlichen Gassistrecken der Hundebesitzer


Im Herbst ist die Tarnung nicht perfekt
Im einfachsten Fall benutze ich eine 2,20x3 Meter "Kommandoplane" mit "Woodlands" Print. Die Plane lege ich auf dem Boden aus, lege meine 20 Jahre alte, aber  noch gut erhaltene Thermarest Ultralight (oder Thermarest Ultralite ?) drauf und darauf den Schlafsack (Daunen. Von Highlight Ende der 90er gekauft). In direktem Kontakt mit dem Schafsack ist die Plane allerdings nicht wasserdicht. Bei Regen spanne ich eine zeltartige Konstruktion auf. Außerdem drückt das Gewicht der Plane die Daunen zusammen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt spürt man das deutlich.
Tipp: Auf Höhe des Gesäßes lege ich ein Stück einer alten Isomatte (Schaumstoff) unter. Das kompensiert die schlechtere Isolation, wenn die Hüftknochen durch die Thermarest auf den kalten Boden durchdrücken. Auch sonst leistet das Stück gute Dienste als Sitzunterlage.
Seit 2020 benutze ich ein kleines Zelt: MSR Hubba NX solo. Das wiegt so viel wie die alte Plane, ist aber absolut wasserdicht und schützt aber sehr gut vor Insekten. Nachteil: Auf- und Abbau dauern viel länger als einfach die Plane auf den Boden zu werfen. Wenn es kalt ist, ist das Überzelt außen und innen nass (Tau/Kondensation). Das zu trocknen dauert lange.
Seit 2021 habe ich einen leichteren Schlafsack: Mountain Equipment Helium 250. Toll leicht, aber bei Temperaturen unter 5 Grad wird es unangenehm kalt. Der Komfort-Bereich bis 7 Grad stimmt also. Sowohl im Herbst, als auch im Frühling gab es gelegentlich um die 0 Grad. Das ist schon unter dem "Komfort Limit" von 2 Grad. Die "Good night's sleep temperature" von 1 Grad kann ich gar nicht nachvollziehen. Da wäre mir oft der alte, schwerere Schlafsack lieber gewesen.
Um weiter Gewicht zu sparen hatte ich die alte Ultralite gegen eine Thermarest Uberlite getauscht. Auch da bin ich nicht 100% happy:
  • Das Aufblasen mit dem Pumpsack ist mühsam und langsam, besonders bei Regen im 1-Personen Zelt.
  • Wahrscheinlich aufgrund des großen Luftvolumens nimmt die Härte im Laufe der Nacht so weit ab, daß ich beim Aufsitzen auf den Boden durchdrücke. Wenn ich in der Abendsonne bei 20 Grad aufblase und die Temperatur dann auf ca. 5 Grad absinkt ist das nicht verwunderlich. Also muss ich einmal in der Nacht nachpumpen. In den Rezensionen wird auch immer wieder über Undichtigkeiten berichtet.
  • Die Isolation ist schlechter als erwartet. Ich schiebe immer noch ein dünnes Schaumstoff-Sitzkissen unter um den Nierenbereich warm zu halten. Wahrscheinlich wabert durch die Bewegung kalte Luft aus den Randbereichen unter den Körper.
  • Ich habe Bedenken das sehr dünne Material zu beschädigen und bin daher super vorsichtig. Im Wald gibt es immer irgendwo Dornen.
  • Das Einpacken dauert gefühlt ewig. Trotz des clever gemachten Ventils geht für das ordentliche Einpacken locker eine Viertelstunde drauf.
Die gewichtssparenden, komfortablen Neuerungen haben mich insgesamt bei Auf- und Abbau langsamer gemacht. Thermarest hat Anfang 2022 meine Reklamation als gerechtfertigt akzeptiert und den Kaufpreis zurückerstattet.
Seit 2023 bin ich auf die Exped Ultra 3R LW umgestiegen. Die passt exakt ins Zelt. Die Mumienform, die ich wegen des Gewichts bevorzugt hätte, war gerade nicht verfügbar. Die Matte ist spürbar wärmer als die Uberlite und hat eine angenehmere Oberfläche. Dafür hat die Matte ungefähr das doppelte Gewicht. 2024 habe ich das mit der Flextail Zero Pump ergänzt und lasse den Pumpsack jetzt daheim. Vom Gewicht her sind die Zero Pump und der Pumpsack praktisch identisch. Muss ich die Matte im Zelt aufblasen, ist das mit der Pumpe viel einfacher. Sie dürfte etwas mehr Druck machen, aber dieses Defizit lässt sich mit 1x pusten ausgleichen.

Kommunikation, Karten und die Energiefrage

Das Smartphone ersetzt mittlerweile inzwischen ein kleinen Rucksack voller Ausrüstungsgegenstände und macht das in den meisten Fällen ganz ordentlich.
Seit dem 15. Juni 2017 gibt es üblicherweise innerhalb der EU keine Roaminggebühren mehr. Damit steht auch das Datenvolumen für Internetverbindungen zumindest teilweise zur Verfügung.
Das erleichtert die Navigation erheblich, weil Kartenausschnitte, z.B. in Google Maps auch in der maximalen Detailstufe nachgeladen werden können.

  • Ich benutze gerne Gaia GPS (ohne das kostenpflichtige Abo) zur Navigation. Die kostenlosen Karten sind gut genug. Schön ist, dass man GPS-Tracks aus dem Internet importieren kann. Bei unklarer oder fehlender Beschilderung spart das einige Irrwege.
    Obwohl ich viele Kartenausschnitte vorab herunter geladen hatte, habe ich den Großteil meines 3GByte Datenvolumens für die App verbraucht.
    Ein echtes "Verirren" im traditionellen Sinne ist heute so gut wie unmöglich.
  • Mal eben nach den Öffnungszeiten des nächstgelegenen Supermarkts googeln oder das Mail mit der Buchungsbestätigung für die Jugendherberge vorlegen.
  • Bahnfahrkarten kaufen: Wenn man rechtzeitig bucht, bekommt man bei der französischen Bahn SNCF und der DB erstaunlich preiswerte Tickets.
    Ich benutze diese beiden Apps:
    OUI.sncf für Frankreich. Die App kennt auch die grenznahen Bahnhöfe in Deutschland.
    DB Navigator für Deutschland. 
  • Da mein Arbeitgeber mir regelmäßig ein aktuelles Handy, auch zur privaten Nutzung zur Verfügung stellt, ist auch die Kamera auf der Höhe der Zeit. Ich fotografiere nicht sehr viel, eine separate Kamera würde sich bei mir nicht lohnen.
Das alles braucht allerdings eine Menge Energie. Wenn man mehrere Tage keinen Zugang zu einer Steckdose hat, reicht die kleine PowerBank aus der Krabbelkiste beim Elektrodiscounter nicht aus. Die aufgedruckten technischen Daten scheinen oftmals frei erfunden zu sein. Nach mehreren Enttäuschungen bin ich nun mit dem chinesischen Edelhersteller XiaoMi vollkommen zufrieden. Ich hatte für einige Wanderungen eine ältere 16000mAh Power Bank (Aluminiumgehäuse), die ich Anfang 2018 gegen das unwesentlich schwerere Modell mit 20000mAh (stabiles Kunststoffgehäuse) getauscht habe. Das verschafft mir eine volle Woche Autonomie trotz intensiver Nutzung. Wegen der großen Kapazität reicht eine einzelne Übernachtung mit meinem normalen iPhone Lader (5 Watt) nicht um die PowerBank wieder voll zu laden. Da die PowerBank QC3 zur Schnellladung unterstützt, habe ich mir diesen 18Watt Lader dazu gekauft, der natürlich auch das iPhone lädt.
Energie Nachtanken in der Pilgerherberge in Chalaines

Später kam dann noch eine PowerBank dazu die zuhause nur "The Brick" heißt: 30.000mAh. Über 650g schwer, bekomme ich das iPhone ungefähr 10x geladen. Das muß schon gut überlegt sein, ob die in den Rucksack darf. 
Wer ohnehin täglich in einer Herberge übernachtet, der ist mit einer kleinen 5000mAh PowerBank der sicheren Seite und trägt nicht schwer.