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Mittwoch, 10. Juli 2024

Zehnte Wanderung 2024: Sainte-Foy-la-Grande nach Mont-de-Marsan

Zehnte Wanderung 2024: von Sainte-Foy-la-Grande nach Mont-de-Marsan

Ein sehr anspruchsloses Höhenprofil, schnurgerade Wege und große, künstlich angelegte Monokulturwälder. Was kann man da schon groß erwarten? - Los geht's!
Durch die Landes de Gascogne

Anreise und erster Wandertag (Samstag, 8.6.2024 ca. 10km)

Schon um 5:34 fährt mein Zug ab. Alle Umstiege und der obligatorische Wechsel der Bahnhöfe in Paris funktionieren tadellos. Etwas kurios ist der Ouigo "billig-TGV", bei dem der Rucksack als großes Gepäckstück 5 € extra kostet. So günstig ist die Fahrt von Paris nach Bordeaux dann auch wieder nicht  und er wirkt weniger gepflegt als die regulären SNCF-Züge. Aber ok, dafür fährt er pünktlich. Dann noch ein Stück mit dem Regionalzug und ich stehe um 16:45 ziemlich genau an der Stelle, an der ich im Mai 2023 meine Pilgerreise beendet hatte.

Der Plan sieht vor, heute einfach nur eine geeignete Stelle zu finden, an der ich mit dem Zelt übernachten kann. Es ist unangenehm schwül und die um diese Zeit stark befahrene Straße bis Pont-de-la-Beauze ist kein Vergnügen. Danach, über Feldwege und durch Weinberge, geht es schon wesentlich schöner voran.
Die erste Übernachtung
An einer Schneise im Wald finde ich ein gemähtes Stück Wiese zwischen Weinberg und Waldrand. Ich hatte auf einen sternklaren Himmel gehofft, um ein paar Fotos zu machen. Vielleicht wird das ja in den nächsten Tagen noch besser.

Zweiter Wandertag: von La Bonnetie Haute nach St. Ferme (Sonntag, 9.6.2024 ca. 19 km)

Es regnet. Nicht besonders stark, aber das Zelt muss ich nass einpacken. Hoffentlich gibt es eine Möglichkeit es im Laufe des Tages zu trocknen. In Pellegrue mache ich Frühstückspause und trinke einen Kaffee vor der Bar der kleinen Orts.
Kaffee und Kekse
Der Blick fällt unweigerlich auf die große Markthalle aus dem vorletzten Jahrhundert, die in bemerkenswert gutem Zustand ist. Zwei Pilger überholen mich und ich unterhalte mich bestmöglich mit zwei älteren Franzosen, die den Sonntagmorgen ebenfalls für einen gemütlichen Kaffee vor der Bar nutzen.
Achtung Pilger!
Im weiteren Verlauf des Weges begegne ich einem jungen Franzosen, dessen Eltern einen Bauernhof haben, der aber selbst diesen Beruf nicht ergreifen möchte. Er ist unterwegs, um sich darüber klar zu werden, was er künftig machen möchte. Prompt verlaufen wir uns wegen unseres Gesprächs, finden aber gleich wieder einen Weg zurück auf unsere Route und kreuzen das Revier einer Fuchsjagd. Es folgen ein paar sehr schöne Passagen durch die Wiesen und sehr bald erreiche ich Saint Ferme.
Das 1080 gegründete Benediktinerkloster dort ist als Wohn- und Rathaus genutzt und es herrscht erstaunlich viel Betrieb. Heute ist Europawahl! Prima, so kann ich mir wenigstens einen Teil des Rathauses anschauen.
Klosterkirche St. Ferme
Die ehemalige Klosterkirche ist ein wohltuend schlicht ausgestatteter, romanischer Bau. Bis zur Öffnung der Herberge ein paar Straßen weiter, habe ich die Kirche für mich alleine.
Am Nachmittag hört es auf zu regnen und die Sonne scheint. Auf der Wäscheleine vor der Pilgerherberge trockne ich mein Zelt. Wir sind zwei Gäste an diesem Abend: Frans aus den Niederlanden ist neben mir der einzige Gast in der für sechs Pilger ausgelegten Herberge.
Die Herbergsmutter fragt noch die Wünsche für das Frühstück ab und schon recht bald kehrt Ruhe ein.

Dritter Wandertag: von St. Ferme nach Pondaurat (Montag, 10.6.2024 ca. 28 km)

Der Rucksack ist am Morgen schnell und effizient gepackt, wenn man weder Isomatte noch Zelt gebraucht hat. Dann noch ein kleines Frühstück und die Herbergsmutter winkt zum Abschied.
Abschied von der Herberge in St. Ferme
Blauer Himmel und Schäfchenwölkchen versprechen ein angenehmes Wanderwetter. Die Temperatur ist seit dem gestrigen Regen wieder in angenehmere Bereiche gefallen als es noch am Samstag der Fall war.
Der Großteil des Weges führt über kleinere Straßen, auf denen es zügig voran geht. In La Reole, ungefähr nach zwei Dritteln des Weges, gibt es eine prima Bäckerei. Hier kommen zur Mittagszeit nach-und-nach alle Pilger durch: Die Belgier (2), Franzosen (3) und Niederländer (1). Die Croissant au Jambon Fromage sind sehr zu empfehlen und ich fülle auch gleich die Wasser- und Brot-Vorräte auf.
Bei der nächsten Pause in Floudes treffe ich auf Hubert, der die Niederländische Mannschaft ergänzt.
In Pondaurat angekommen, sind alle Plätze der Pilgerherberge belegt. Das ist nicht weiter schlimm: ich habe genug Vorräte und hinter der Festhalle des Ortes gibt es eine Wiese mit Bänken, die recht selten benutzt wirkt.
Prima Kochstelle
Hinter der Festhalle gibt es eine Grillstelle, an der ich komfortabel meinen Kocher aufbauen kann und ein kleines Abendessen bereite. Als es dämmert, baue ich das Zelt auf und beschließe den Tag.
Hier ist nix los

Vierter Wandertag: Von Pondaurat nach Cazats (Dienstag, 11.6.2024 ca. 23 km)

Einen Bäcker scheint es hier nicht zu geben, aber das ist auch nicht unbedingt nötig, die Vorräte aus La Reole halten noch und an der Strecke gibt es einen Supermarkt. Ich verpacke das halbnasse Zelt und los geht die Pilgerfahrt. Die Wegführung heute vermeidet größere Landstraßen, führt dafür aber etwas unökonomisch über lange Umwege. Schon in Savignac kommt der Supermarkt. Hier gibt es nicht nur Wasser und Brot, sondern auch Kaffee und Croissants. Damit sind die Vorräte ergänzt und ich plane wieder im Zelt zu übernachten.
Auf den Waldpassagen begegne ich auch erstmals einer regionalen Kuriosität: Einer Palombiere. Lange, überdachte und gut getarnete Gänge für die Jagd auf Ringeltauben. Überall gespannte Schnüre und Hebelvorrichtungen ermöglichen es den Jägern an den Bäumen zu rütteln um die Tauben aufzuscheuchen.
Eine Palombiere
Einige der Waldwege sind für Wanderer vom 1. Oktober bis 20. November komplett gesperrt. Zu anderen Zeiten soll der Wanderer pfeifen, um auf sich aufmerksam zu machen.
Am frühen Nachmittag halte ich nach einem Platz für die Übernachtung Ausschau. Schon bald seht am linken Wegrand ein Schild: "Halte GR Pelerin Compostelle" die Wiese ist gemäht, der Wohnwagen hingegen verschlossen.
Angenehmer Zeltplatz an der Strecke
Keiner da und alles durchnässt. Egal, offensichtlich ist das genau für mich gedacht und ich richte mich gemütlich ein. Das Wetter bessert sich gegen Abend. Ich kann ungestört mein Abendessen kochen und verbringe eine ruhige Nacht im Zelt.

Fünfter Wandertag: Von Cazats nach Captieux (Mittwoch, 12.6.2024 ca. 23km)

Schon nach wenigen Kilometern komme ich auf die zum Rad- und Wanderweg ausgebaute, stillgelegte Eisenbahnstrecke. In Bazas besuche ich die Kathedrale und ergänze beim Supermarkt meine Vorräte. Viel muss ich nicht tragen, denn am heutigen Ziel soll es zwei Supermärkte geben. Es geht  dann auf der  Bahnlinie schnurgerade und und wie im Fluge voran. Hier beginnen die großen Eichen- und Kiefernwälder, durch die der Weg nun führt. Je nach dem wer der Pilger gerade Pause macht wird überholt. Ich treffe die Belgier, die Französinnen und das niederländische Team.
Hier verläuft sich keiner
Die gerade, flache und damit völlig unschwierige Strecke lässt den Kopf frei werden. Natürlich nur soweit es mein Schnupfen zulässt. Von den Kiefern, die eigentlich intensiv riechen sollten, nehme ich nichts wahr. Die gute Luft macht das Geschniefe aber erträglich.
Genau zeitgleich erreichen Frans und ich unseren Zielort Captieux. Im Rathaus bekommen wir den Schlüssel zum Refuge Municipal, wo wir uns als die beiden einzigen Gäste einrichten.
Schlicht aber ausreichend
Im Supermarkt finde ich ein "Rillettes de Canard", das hier am Ort hergestellt wurde. Kein billiger Spaß, aber sehr lecker. Dazu Brot und Käse.
Lokale Leckerei
Nach zwei Nächten im Zelt ist mir die Dusche sehr willkommen. Die Unterkunft ist sehr schlicht und wäre voll belegt sicher kein großer Spaß, aber für zwei Pilger sehr entspannt.

Sechster Wandertag: Von Captieux zur Chapelle de Lugaut (Donnerstag, 13.6.2024 ca. 26km)

Kurz Ordnung und Sauberkeit im Refuge wiederhergestellt und schon geht es wieder los. Ein kurzer Umweg über den Bäcker und weiter auf der schnurgeraden Strecke.
Vom westlich des Weges liegenden Militärgelände höre ich den ganzen Vormittag über Lärm von Flugzeugen und Explosionen. Das passt so gar nicht in die friedliche Landschaft.
Der Weg ist nun weniger gut ausgebaut und nach der Überquerung der unendlich lang erscheinenden Autobahn geht es nun auf Feldwegen weiter. Der Boden wird jetzt teilweise sandig.
Es wird sandig
Spätestens jetzt bin ich in den Landes de Gascogne angekommen. Es wundert mich nicht, daß diese Gegend bei den mittelalterlichen Pilgern gefürchtet war: Bremsen und Schnaken sind trotz der Trockenlegung noch zahlreich. In den Gräben steht das Wasser. Durch die Aufforstung seit dem 18. Jahrhundert gibt es mittlerweile eine dünne Humusschicht. Dort wo die nicht vorhanden ist, ist das Gehen anstrengend, weil die Schuhe tief in den feinen Sand sinken.
Das ist eher untypisch
Die Dörfer sind weniger zahlreich als in den letzten Tagen. Dafür gibt es jetzt immer wieder gerodete Lichtungen mit mageren Wiesen voller blühender Blumen.
Es geht gut voran und ich erreiche die von mir als Übernachtungsplatz geplante Chapelle de Lugaut, die auf einer großen Lichtung im Wald liegt.
Chapelle de Lugaut - Geschlossen
Im Sommer muss hier eine Menge los sein: Parkmöglichkeiten für PKW und Busse sind ausgeschildert, Picknickplätze mit Tischen und Bänken stehen bereit.
Die Kapelle ist aber geschlossen. Das ist kein Wunder, denn die Fresken möchte man sicher nicht unbeaufsichtigt lassen. (siehe hier).
Super praktisch hingegen: Die Toilette im Haus neben der Kirche ist sauber und geöffnet. (Ok, sicher nicht mit Absicht, da ein Verlängerungskabel die Tür blockiert.) Da hatte ich schon Campingplätze mit weniger Komfort.
Käsenudeln zum Abendessen
Frans hatte mir am Morgen die Hälfte seiner Nudeln vermacht, die sich jetzt in leckere Käsenudeln zum Abendessen verwandeln lassen. Etwas geschützt hinter den Bäumen baue ich mein Zelt auf, erkunde noch kurz die Umgebung und beschließe den Tag.

Siebter Wandertag: Von der Chapelle de Lugaut nach Bostens (Freitag, 14.6.2024 ca. 20 km)

Es regnet. Bevor es so richtig losbricht, bringe ich meine Sachen unter dem Vordach der Kapelle in Sicherheit. Es hilft aber alles nichts: Ich mache mich bestmöglich wasserdicht und gehe los.
Der Weg führt über Roquefort (nein: schon genau wie der Käse, aber das ist nicht dieses Roquefort). Schon an der ersten Kreuzung lädt eine Bar zum Morgenkaffee. Die schöne, verwinkelte Kirche liegt auf einem Hügel an der Stadtmauer oberhalb des Flüsschens Douze. Am Ortsende wartet eine gut sortierte Bäckerei.
Mit aufgefüllten Vorräten und einem entsprechend schweren Rucksack pilgere ich zuerst auf Sandwegen, später auf keinen, geteerten Straßen weiter. Meine Planung für die Übernachtung ist noch etwas unscharf. Irgendwo um Bostens herum wäre gut, wenn ich etwas fände. Das würde für die beiden letzten Streckenabschnitte heute und morgen jeweils schön ausgewogene Distanzen ergeben.
Prima eingelaufen und mit nur einer einzigen, eher kleinen Blase am Zeh, komme ich gut vorwärts und viel schneller als erwartet erreiche ich Bostens. Ich setze mich auf eine der die Bänke vor der Kirche, um ein verspätetes Mittagessen zu verputzen. Kaum eine halbe Stunde später sitzt ein Großteil der "üblichen" Pilger mit dabei. An der fantastischen, romanischen Kirche scheint außer mir keiner Interesse zu haben. Im Narthex der Kirche ist rechts eine niedrige Tür, die den Pilger zur Einkehr auffordert. Zu meiner Verwunderung finde ich einen rustikal ausgestatteten Raum mit Tisch, offenem Kamin und kleiner Küche.
Pilgerstube in Bostens
Im Süden der Kirche ist eine Rasenfläche, dahinter eine öffentliche Toilette. Perfekt! Hier bleibe ich.
Ein wenig später setzt leichter Regen ein und ein zweiter Pilger gesellt sich mit seinem Zelt dazu. Er leidet ziemliche Schmerzen wegen seiner wunden Füße. Kein Wunder bei den 40km, die er täglich zurücklegt. Aber es sei der letzte Tag für ihn, seine Frau sammle ihn morgen in Mont de Marsan ein.
Nettes Plätzchen
Ich besichtige noch die Kirche, die ich wieder ganz für mich habe und den dahinter liegenden Friedhof. Eine Frau, die gerade Gräber pflegt, berichtet, daß hier eine Pilgerherberge entstehen soll. Die Arbeiten gehen aber nur langsam voran. Gegen zeltende Pilger hat man hier nichts einzuwenden. Falls der Regen zu schlimm werden sollte, sollten wir doch unsere Matratzen nehmen und im Aufenthaltsraum Schutz suchen. - Obwohl aus der Ferne Donner grollt, bleibt der Regen eher harmlos.

Achter Wandertag: Von Bostens nach Mont-de-Marsan (Samstag, 15.6.2024 ca. 20km)

Ich rufe die Nummer der "Amis de St Jacques des Landes" an und bekomme von Jean Pierre ein Bett in der Pilgerherberge zugesagt. Na dann kann ich den Tag ja gemütlich angehen. In der Bar "Au Coeur des Landes" gibt es Kaffee, Croissants und Chocolatines. Und die Sonne kommt raus. Also mache ich nach noch nicht einmal vier Kilometern eine ausgedehnte Frühstückspause. Die Französinnen sind auch da, sie haben hier im Gästezimmer der Bar übernachtet.
Lecker!
Am Treppengeländer des Rathauses von Bougue trockne ich mein Zelt in der Sonne. Von hier aus geht es wieder einmal auf einer stillgelegten und zum Rad- und Wanderweg ausgebauten Bahnstrecke schnurgerade nach Mont-de-Marsan.
Den Schlüssel für die Pilgerherberge bekomme ich im asiatischen Supermarkt zwei Straßen weiter. Ich bin scheinbar der einzige Gast in der großen Herberge. Das Gebäude ist interessant. Außen noch die ursprüngliche Aufschrift "BAINS - DOUCHES", ist es innen V-förmig in zwei Flügel aufgeteilt. Geöffnet ist nur der rechte Flügel. Dort gibt es fantastisch großzügige Duschen. Da, wo einst wahrscheinlich die Badewannen standen sind nun die Betten für die Pilger. Ich beziehe eines der Betten und mache noch einen Ausflug in die Stadt. Buchhandlungen, Supermarkt... alles da. Ein sehr schönes Städtchen.
Tolle Herberge!
Am Abend schaut Jean Pierre noch nach dem Rechten. Den Schlüssel soll ich einfach in der Herberge hängen lassen, wenn ich morgen gehe.
Ich dusche noch lange und heiß, bevor ich mich in meinen Schlafsack kuschle.

Neunter Tag: Rückreise (Sonntag, 16.10.2024)

Jean Pierre hatte mir nicht nur den Weg zum Bahnhof erklärt, sondern auch den besten Bäcker  am Ort empfohlen. Also packe ich meine Sachen reisefertig ein und wandere zuerst zum Bäcker, um ein kleines Frühstück und etwas Proviant für die Rückfahrt einzupacken.
Was man nicht sieht: Es ist voll hier!
Der Zug ist pünktlich und alle Anschlüsse passen. In Paris habe ich noch Zeit für einen Ausflug zum Eiffelturm. Dort ist eine gigantische Baustelle, da auf dem Marsfeld einige der Wettkämpfe der olympischen Spiele stattfinden werden. Gegen 22:30 bin ich zurück in Heilbronn.
Das war super easy und erholsam: Für die einfache Strecke haben die leichten Halbschuhe völlig ausgereicht, und die Füße blieben weitgehend blasenfrei. Jetzt wäre ich perfekt eingelaufen, um auch längere oder schwierigere Strecken locker zu wandern. Der kräftige Schnupfen, mit dem ich gestartet war hat sich weitgehend verzogen und hatte mich während der Wanderungen kaum beeinträchtigt. Ich kann ja im nächsten Jahr noch ein bisschen schnuppern wie die Landes riechen.

Mittwoch, 11. Juli 2018

Vierte Wanderung 2018: Metz - Joinville

Vierte Wanderung von Metz nach Joinville

Planung

Meine Pilgerwanderung für das Jahr 2018 kann ich dank langfristiger Planung sehr schön vorbereiten. Die Rahmenbedingungen gibt die Möglichkeit der Rückreise mit der Bahn vor. Nach Metz gibt es zwar einige Bahnhöfe, nach Toul liegt erst in Joinville wieder ein Bahnhof auf der Strecke. Bucht man einige Wochen im Voraus, bekommt man sehr preiswert Tickets bei der Französischen Bahn.

Waschhaus von Vaucouleurs
Die Streckenführung entspricht weitestgehend dem Vorschlag des Wanderführers "Outdoor Deutschland Frankreich: Jakobsweg Trier - Vezelay" aus dem Conrad-Stein Verlag. Außerdem ist dieser GPS-Track von "Wanderflotsch" gelegentlich recht hilfreich.

Route 2018 Metz - Joinville (mit Varianten)
Da ich in der ersten Woche der Pingstferien im Mai 2018 genügend Wandertage zur Verfügung habe, kann ich mit sehr moderaten 20 Kilometern pro Tag planen. Besinnung und Erholung sollte nicht zu kurz kommen. Die Wegstrecke liegt bei etwa 150 km.

Übernachtung in Metz

Bedingt durch den schon beinahe obligatorischen Streik der Eisenbahner in Frankreich komme ich nach einem abenteuerlichen Ritt mit dem Schienenersatzverkehr viel zu spät am Freitagabend bei der Association Carrefour in Metz an. Die Jugendherberge an der Mosel war schon lange restlos ausverkauft, daher habe ich bei der Jugendherberge der Association Carrefour reserviert. Umso mehr verwunderte mich, dass nur zwei Gäste während der knapp bemessenen Frühstückszeit im Speisesaal sind.

Erste Etappe: Von Metz nach Arnaville

Der Weg entlang der Mosel zieht sich über mehrere Kilometer durch die Wohnviertel und Industriegebiete. Auf dem befestigten Damm kommt man schnell voran, der Weg ist nicht perfekt ausgeschildert, mit Buch und GPS-Track geht es aber problemlos.
Den Weg durch die Städte zu finden, empfinde ich als wesentlich schwieriger als die Orientierung in der Natur. Entlang der Mosel und später parallel am Berghang ist die Strecke leicht und angenehm zu gehen.
Das Ziel, Arnaville, ist knapp 20 Kilometer entfernt und entsprechend flott erreicht. Die Bewohner des Hauses direkt gegenüber dem Durchgangsbogen sprechen Deutsch: Folgt man der Hauptstraße nach rechts, anstatt durch den Durchgang zu gehen, kommt man nach etwa 150 Metern zu einem Tabak- und Zeitschriftenladen, der auch Wasser, Brot und leckere Pasteten verkauft.
Direkt links davon ist eine überdachte Bushaltestelle, die als Schutz gegen Sonne und Regen dienen kann.
Zur Übernachtung finde ich eine schön gelegene Streuobstwiese an einem Waldrand etwas abseits der Strecke.
Übernachtung bei Arnaville

2. Etappe: Von Arnaville nach Dieulouard

Die heutige Strecke führt fast durchgehend an der Mosel entlang. Zunächst auf einem Damm durch die Auenwälder im Schatten der Bäume. Es geht sich weich und angenehm. Im weiteren Verlauf wird die Lanschaft dann offener und weniger geschützt. Um meine Vorräte zu ergänzen folge ich der Mosel bis hinein nach Pont-a-Mousson. Am zentralen Platz nach der Brücke gibt es einen kleinen Supermarkt. Die Strecke aus der Stadt heraus zieht sich dann recht lange entlang der Straße, bis sie nach Jezainville wieder ruhiger wird. In Dieulouard sind alle Geschäfte geschlossen, so ziehe ich weiter, bis ich im Wald zu einer Hütte der Jägervereinigung komme. Angesichts des etwas zweifelhaften Wetters der ideale Ort den Tag ausklingen zu lassen. Hinter der Hütte gibt es ein Vordach, unter dem es genug Platz zum Übernachten für zwei bis drei Personen gibt.

3. Etappe: Von Dieulouard nach Toul

Bei strahlendem Sonnenschein geht es am nächsten Tag weiter in Richtung Toul. Nach Saizerais nehme ich, um der gut befahrenen Landstraße auszuweichen, den Weg links der Straße zu einem großen Reiterhof und daran rechts vorbei, um durch den Wald nach Liverdun zu gelangen.
Dort werden gerade die Reste des Mittelalterfests vom Wochenende aufgeräumt. Eine sehr schöne Atmosphäre.
In der Altstadt gibt es leider keinen Lebensmittelladen. Es führen aber Treppen hinunter zum Bahnhof, in dessen Nähe es einen kleinen Supermarkt gibt, wo ich meine Vorräte ergänzen kann.
Liverdun
Nach Liverdun ist der Weg bis zum Stauwehr neu als Radwanderweg ausgebaut. Vor dem Wehr zweigt der Jakobsweg rechts von der Straße ab, um eine längere Strecke durch einen schönen Wald zu führen. An dessen Ende liegt, an einem Ausläufer der Mosel, das Restaurant "Le Pavillon Bleu". Dort ist aber an dem schönen Tag ein so unglaublicher Rummel, daß ich schnell weiter ziehe.
In Villey-Saint-Etienne treffe ich erstmals einen anderen Jakobspilger, dessen Frau uns aus dem Kofferraum mit Getränken versorgt. Gemeinsam wanderten wir weiter bis zu den Festungsanlagen im Wald vor Toul. Dort trennen sich unsere Wege wieder, weil ich mir die Zeit nehme die alten Anlagen anzusehen.
Warnschild vor Toul
Die Sperranlagen, die im Wald noch verteilt sind, haben mit den Jahrzehnten nichts von Ihrer Wirksamkeit verloren. Die Wege zu den Bunkeranlagen sind zwar sicher, gerade in der nordöstlichen Hälfte des Waldes sollte man die Wege nicht verlassen. Im Wald ist es feucht bis sumpfig, Stechmücken plagen den Pilger. Ich übernachte kurz vor dem Reiterhof am Ende des Waldes. Obwohl die Stelle einigermaßen trocken schien, habe ich in der Nacht mit Stechmücken und schleimigen Schnecken (sogar im Schlafsack) zu kämpfen.

4. Etappe: Von Toul nach Chalaines

Nicht ganz optimal ausgeschlafen macht ich mich auf den Weg die Kathedrale von Toul zu besichtigen, die aber am frühen Morgen noch geschlossen hat. In Toul herrscht kein Mangel an leckeren Bäckern und kleinen Supermärkten, so fülle ich zuerst meine Vorräte wieder auf, um dann zur Kathedrale zurück zu kehren. Sehr schön ist auch der Kreuzgang im Südwesten der Kathedrale.
Kreuzgang in Toul
Der Weg aus Toul heraus ist gut ausgeschildert und führt hinter Choloy-Ménillot durch einen weitläufigen Wald. Eine große Schutzhütte links des Weges kurz nach Choloy-Ménillot möchte ich nicht unerwähnt lassen. Müden oder nassen Pilgern könnte sie sehr nützlich sein. Auf dem Friedhof, bei der charmanten Dorfkirche von Rigny-Saint-Martin, ist ein Wasserhahn, der Trinkwasser liefert. Ein Zettel in der Kirche bezeugt, dass davon schon viele Pilger profitiert hatten.
Über eine karge Hochebene zieht sich der Weg weiter. In einer Scheune finde ich Schutz vor einem Gewitter mit kurzem, aber kräftigen Regen.
Was ich auch finde, ist sehr herzliche Aufnahme bei Pascale Mangin und ihrem Mann in ihrer Pilgerherberge direkt am Weg. Kaum sprach mich ein Nachbar angesprochen, daß Pascale gerade im Stall sei, da kommt sie schon im Overall auf dem Fahrrad angeradelt.
Frisch geduscht und guter Dinge mache ich mit auf den Weg nach Vaucouleurs um die empfohlene Pizza zu genießen. Satt und zufrieden hole ich den in der letzten Nacht verpassten Schlaf nach.

5. Etappe: Von Chalaines nach Gondrecourt-le-Château

Mit frisch gewaschenen Kleidern darf ich mir am Frühstückstisch der Familie sogar noch ein paar Brote für unterwegs schmieren. Sauber und erholt verlasse ich den gastlichen Ort um mich wieder auf den Weg nach Vaucouleurs zu machen.

Die Jungfrau zu Pferde
Nach dem Besuch am Reiterstandbild der Jeane d'Arc und dem obligatorischen Selfie an der Porte de France geht es durch den Wald vorbei an Montigny-lés-Vaucouleurs. Der dann folgende Abschnitt durch den Wald hat ein paar navigatorische Tücken. Dank der Gaia GPS App auf dem Smartphone finde ich einen ordentlichen Weg aus dem Wald heraus.
Der Himmel ist etwas verhangen, und so komme ich ohne viel zu schwitzen in das schöne Dörfchen Abainville, wo ich im renovierten Waschhaus eine Pause einlege. Am Nachmittag ist dann das Tagesziel erreicht. In Gondrecourt-le-Château gibt es einen gut sortieren Supermarkt, außerdem einen Parkplatz für Wohnmobile. Dort gibt es in der Regel auch Trinkwasser. Für die Nacht mache ich es mir nach Einbruch der Dunkelheit auf der überdachten Terrasse der örtlichen Stadtbücherei bequem. Nur ein paar Enten stören die nächtliche Ruhe.

6. Etappe: Von Condrecourt-le-Château nach Gillaumé

Im Supermarkt kaufe ich am Morgen noch genügend Essen und Wasser für zwei Tage. Vor Joinville gibt es keine Möglichkeit mehr Wasser oder Essen zu bekommen.
Ich folge bestmöglich der im Pilgerführer beschriebenen Strecke, verpasse aber irgendwo eine Abzweigung und bin daher viel auf der Straße unterwegs. Das ist vielleicht auch gut so, denn ich komme schnell voran und kann einigen durchziehenden Gewittern ausweichen.
Wichtig: täglich den Schlafsack trocknen
Da für die Nacht Regen angesagt ist, wählte ich das Waschhaus von Gillaumé als nächsten Übernachtunsplatz. Im Laufe des Abends trocknet es aber ab, ich nutze Tisch und Bank für ein ausgiebiges Abendessen, um dann auf der gepflegten Wiese hinter dem Waschhäuschen mein Nachtlager zu bereiten. Keiner der sehr rührigen Bewohner des kleinen Dorfes nimmt daran Anstoß.

7. Etappe: Von Gillaumé nach Joinville

Bei bestem Wetter packe ich am frühen Morgen meinen Rucksack, um mich zur vermutlich letzten Tagesetappe für dieses Jahr aufzumachen. Ein kurzes Frühstück auf dem sonnigen Bänkchen auf der Wiese und frisch weiter gepilgert. Die kleine Dorfkirche ist, wie einige der Kirchen am Wegesrand, leider verschlossen.
Der Weg verläuft weiter auf der Hochebene, oft in der Sonne. Am See vor Pansey kann man gut an den überdachten Grillstellen rasten. Das Tor ist nicht abgeschlossen, die Angler haben nichts gegen rastende Wanderer.
Es gibt nur wenige Passagen am oder im Wald. Die im Buch beschriebene Abzweigung bei der Farm La Houpette verpasse ich und muss zurück als ich meinen Irrtum erkenne. Schon beim Abstieg nach Thonnance-lés-Joinville wird die Gegend belebter. Der Weg an der Marne wird von Radlern, Wanderern und Joggern genutzt. Am nordwestlichen Ausläufer von Joinville gibt es einen großen Supermarkt. Gestärkt und wieder mit genügend Wasser versehen mache ich mich auf den Weg zur Kirche. Der Ort ist recht hübsch und die Kirche ist eindrucksvoll, aber leider nicht in bestem Zustand.
In der Kathedrale von Joinville

Nach dem Besuch der Kirche suche ich nach dem Gemeindehaus, das angeblich unterhalb der Kirche liegen soll. Ein Ladenbesitzer, der gerade seine Fassade renovierte bemerkt mich und hilft mir den Pfarrer zu finden. Er bietet mir sogar an, ich könne in seinem Laden schlafen, falls wir den Pfarrer nicht fänden.
Der Pfarrer, der sich als Stephane vorstellt hat im Gemeindehaus zwei sehr schlichte Betten, eines in der Küche und eines im kleinen Gemeindesaal im Obergeschoss. Der verwilderte Pfarrgarten ist ein herrlicher Platz um ein Stündchen zu lesen und sich zu besinnen.
Pfarrgarten
Nach einer kurzen Dusche im Gästebad des Pfarrhauses, das auch als Abstellkammer dient, lege ich mich nach einem schlichten Abendessen schlafen.

Abreisetag

Gut ausgeschlafen treffe ich nach dem Frühstück Stephane. Mein Angebot den Rasen des Pfarrgartens zu mähen lehnt er dankend ab. Es sei schon jemand mit einem Freischneider bestellt um dem Wildwuchs Herr zu werden. Mit einer Spende für die Restaurierung seiner Evangelistenfiguren verlasse ich das Pfarrhaus um noch die gewünschten Reisemitbringsel für die Familie zu kaufen.
Trotz des noch andauernden Streiks bei der Bahn fährt mein Zug pünktlich am Bahnhof in Joinville ab.